Ausgabe: 04 / 2010
Seite: 44-55

Genial, brutal, sinnlich, düster, kriminell, schwul, bizarr, innovativ, wild ...

Von Angelika Kindermann

nennt man Caravaggio. Hinter den Klischees verbirgt sich die Geschichte eines der ganz großen Meister der Malerei. Zum 400. Todestag wird er nun in Rom gebührend gefeiert

Sie sind Künstler?

Das wissen Sie!

Und Mörder.

Ich habe es lediglich vorgezogen, nicht der Ermordete zu sein.

Und Homosexueller.

Sie haben es aber eilig! Na ja, gewisse Vorlieben für das eigene Geschlecht kann ich nicht bestreiten ...

Ein Provokateur sind Sie außerdem.

Eine geläufige Sichtweise nicht zu teilen, provoziert immer.

Das Verhör, dem sich Michelangelo Merisi (1571 bis 1610), besser bekannt als Caravaggio, hier unterziehen muss, hat so nicht stattgefunden.

Der Schriftsteller Gerhard Falkner veröffentlichte es 2006. Er ist nur einer von vielen der schreibenden Zunft, die dieser Merisi aus dem norditalienischen Dorf Caravaggio, den die Kunstgeschichte Jahrhunderte verschmähte, fasziniert. Bietet sein Leben doch alles, was die Leserschaft fesselt:

Gewalt und Genialität, Sex und Ruhm, Leidenschaft und Tragik. Über 3500 Publikationen sind zu diesem Maler erschienen, 1986 drehte der Brite Derek Jarman sein furioses Caravaggio-Drama, US-Künstlerin Cindy Sherman, verkleidet als "Kranker Bacchus", widmete dem wilden Alten Meister eine Arbeit. Die große deutsche Caravaggio- Ausstellung 2006 im Museum Kunstpalast in Düsseldorf war ein Publikumsrenner, ebenso wie zuvor die Londoner Schau zum Spätwerk des Malers (art 2/2005). Und als der Italiener im Amsterdamer Van Gogh Museum 2006 gegen Rembrandt antrat, da sah der große Niederländer nach Auffassung vieler Kritiker ganz schön blass aus.

Noch mehr Caravaggio gibt es nun anlässlich des 400. Todestags, der am 18. Juli ansteht. 20 Gemälde, eine erlesene Auswahl der rund 70 anerkannten Arbeiten, versammelt die Jubiläumsausstellung in der Scuderie del Quirinale in Rom. Selten ausgeliehene Werke wie "Die Musiker" (1594/95) aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art oder "Das Emmausmahl" (1601) aus der Londoner National Gallery führen in geballter Ausdruckskraft vor Augen, welchen Revolutionär der Kunst es zu feiern gilt.

Anfang 20 ist Michelangelo Merisi aus der Lombardei, als er sich um 1592 aufmacht, Rom zu erobern. Ein Junge aus gutbürgerlichem Haus mit einer soliden Ausbildung:

Immerhin hat er vier Jahre bei dem angesehenen Mailänder Maler Simone Peterzano sein Handwerk gelernt - von hier bringt er seine Vorliebe für ein erdiges Kolorit mit sowie den genauen Blick für die Details der Natur und des Alltagslebens. In Rom herrscht damals ein Bau- und Ausstattungsboom, der Künstler von überall anzog.

In der Malerei sind Kopien nach Raffael und Michelangelo gefragt, ein akademisch-kultivierter Manierismus gibt den Ton an.

Caravaggio arbeitet zunächst als Gehilfe in verschiedenen Malerwerkstätten. Mal ist er für Blumen und Früchte, mal für die Köpfe und Halbfiguren zuständig. Einen Silbergroschen pro Kopf soll er nach Angaben des Kunstsammlers Giovanni Pietro Bellori verdient haben - jämmerlich wenig. Doch Caravaggio lernt viel und rasch. Zwischen 1593 und 1594 entstehen der "Kranke Bacchus", "Der Jüngling von der Eidechse gebissen" und auch die jetzt in Rom präsentierten Bilder "Knabe mit Fruchtkorb" sowie "Bacchus". Es sind diese vor Sinnlichkeit strotzenden Jünglingsdarstellungen, die dem Maler den Ruf des Knabenliebhabers eintragen. Und wer etwa Caravaggios "Bacchus" (1597) betrachtet, der kann die erotische Ausstrahlung dieses mit Weinlaub bekränzten Jungen nicht leugnen: Lasziv lagert er auf einem Sofa, die Augen leicht glasig. Er scheint schon etwas getrunken zu haben. Der rechte Oberkörper des Knaben ist nackt und zeigt dem Betrachter viel junge, weiche Haut. Über seiner linken Schulter liegt, kunstvoll drapiert, ein Laken, das nur von einem schwarzen Band in der Taille gehalten wird. Seine rechte Hand ruht auf der Schlaufe. Eine kleine Bewegung nur und die Schleife wäre gelöst, das Tuch würde fallen.

Doch nicht allein diese zur Schau getragene Sinnlichkeit lässt das Werk so provokant erscheinen. Zumal schmachtende Hirtenjungen, wie Caravaggio-Expertin Sybille Ebert-Schifferer belegt, schon in der antiken Kunst benutzt wurden, um "Gefühle zu evozieren".

Neu und aufregend an Caravaggios Arbeit ist vor allem das raffinierte Spiel, das er mit dem Betrachter treibt: Er holt den Zuschauer hinein ins Bild. Nur ein schmaler Streifen der Tischplatte trennt uns von dem Knaben, der das kostbare, mit Rotwein gefüllte Glas erhebt, die dunkel glänzenden Au gen auf sein Gegenüber geheftet. Seine Hände und sein Gesicht sind gerötet, der Rest des Körpers ist blass, was als bewusste Anspielung auf die Ateliersituation verstanden werden kann: Hier sitzt eben kein antiker Gott, sondern ein römischer Junge, der sich sein Hemd ausgezogen hat. Natürlich sind seine sonst vor der Sonne geschützten Hautpartien bleich. Alles nur Theater! Und doch verzaubert Caravaggio den Betrachter.

Er verspottet die traditionelle Historienmalerei, die auf Ideale und Illusion setzt, aber er zeigt statt dessen die Schönheit der Wirklichkeit:

Das Licht, das sich in der Weinkaraffe bricht, der Schattenwurf auf dem Tischtuch, die rot glänzenden Fruchtkerne, die aus dem aufgeplatzten Granatapfel hervorquellen.

Der kunstsinnige Kardinal Del Monte wird auf Caravaggio aufmerksam. Er erwirbt sein Gemälde "Falschspieler" (1594/ 95) und nimmt ihn als Mitglied der "Famiglia" in seinen Haushalt auf. Das bringt dem Maler freie Kost und Logis ein, vor allem aber hohe Protektion und wichtige Auftraggeber. Für Del Monte, der selbst spanische Barockgitarre spielt und eine Musikinstrumentensammlung besitzt, malt er 1595 "Die Musiker". Wieder sind es jene weiblich anmutenden, vom Typ her sehr ähnlichen jungen Männer, deren Figuren er wie zusammenmontiert dicht hintereinander in den Bildraum staffelt: den scheinbar völlig entrückten Lautenspieler, der sein Instrument stimmt, den als Amor verkleideten Sänger, der seine Stimme vor dem Auftritt mit Trauben geschmeidiger machen will, den Violinisten, der die Noten studiert, und den Zinkbläser, der sein Einspielen unterbricht und mit schmelzendem Blick den Betrachter anschaut - allesamt aufreizende Knaben.

Bis heute allerdings ist die Wissenschaft uneins, welche sexuelle Vorlieben der Maler dieser Jünglinge selbst hatte: War er ein sich mutig outender Schwuler, wie Experte Donald Posner nahe legt? Ist die angebliche Homosexualität des Künstlers "ein Märchen", wie der Wiener Caravaggio-Forscher Wolfgang Prohaska erst kürzlich verkündete?

Oder liegt der Diskussion eine Fehlinterpretation der frühen Knabenbilder zu Grunde, wie Keith Christiansen meint, und die Jungen haben deshalb so schwere Lider und sinnliche Blicke, weil sie vom langen Modellsitzen müde und schlaff geworden sind? Sicher ist nur, dass nach Caravaggios Jünglingen rege Nach frage herrschte. Dafür sprechen die zeitgenössischen Kopien dieser Werke.

Del Monte kann mit seinem Schützling zufrieden sein, wenngleich dieser im Umgang nicht einfach ist, sondern, wie der Kardinal vornehm umschreibt, "ein äußerst extravagantes Hirn". Im Klartext meint das:

Der junge Mann ist schwierig und selbstherrlich.

Für die künstlerische Entwicklung Caravaggios ist der Aufenthalt bei Del Monte eine fruchtbare Zeit. Er malt ein erstes Stillleben, lange bevor diese Gattung populär wurde. Ungewöhnlich für den fast immer vom dunklen Grund ins Helle arbeiten den Künstler ist der strahlend gelbe Fond, vor dem sich sein "Fruchtkorb" (1595/96) wie eine Kostbarkeit abhebt; erstaunlich die Präzision, mit der er die Früchte und Blätter wiedergegeben hat. Ein Jahr später vollendet er eines seiner wenigen signierten Werke: das wilde, von Schlangen bedeckte Haupt der "Medusa" (1597/98). Mit dieser Arbeit tritt Caravaggio selbstbewusst in Wettstreit mit Leonardo da Vinci, dessen Medusenbild zu diesem Zeitpunkt zwar verschollen, aber als Stich noch bekannt ist.

Das Wichtigste aber: Dem Maler gelingt der Sprung ins biblische Fach. Denn wer in Rom wie die Carracci-Brüder zu den Stars der Kunstwelt gehören will, der braucht Renommee- Aufträge für Kirchen und Kapellen.

Caravaggio malt die "Heilige Katharina", "Die Berufung des Heiligen Matthäus", das "Emmausmahl", "Judith und Holofernes". Mit der Dramatik der Szenen wächst sein Mut zu starken, die Spannung steigernden Hell-Dunkel-Kontrasten:

Fast schwarz ist der Grund, vor dem sich die Ermordung des Holofernes abspielt.

Von links oben fällt schräg Licht ein, das die Gestalt der Judith, das gierig-hässliche Gesicht der alten Dienerin sowie den sich aufbäumenden Oberkörper des Feldherrn plastisch modelliert und aus dem Dunkel hervortreten lässt. Mit einer resoluten Bewegung schlägt die junge Jüdin dem assyrischen General gerade den Kopf ab.

Entschlossenheit und Ekel, Mitleid und Fassungslosigkeit spiegeln sich in ihrem Gesicht.

Nie zuvor ist der Tathergang der alttestamentarischen Geschichte so direkt gezeigt worden. Allein dieses Schockpotenzial muss Caravaggio gereizt haben.

Für Judith soll die Prostituierte Fillide Melandroni Modell gestanden haben. Seinerzeit keineswegs ungewöhnlich - war doch für "anständige" Frauen das Modellstehen mit Ausnahme für Porträts tabu.

Sich gar nackt malen zu lassen, war völlig unvorstellbar; nicht jedoch für Melandroni.

Und Caravaggio malt sie mit nacktem Oberkörper. Erst nachträglich verhüllt er ihren schönen blanken Busen mit einer weißen Bluse, wobei der transparente Stoff ihn mehr zur Schau stellt als ernsthaft versteckt.

Sex sales - das gilt auch in Rom um 1600.

Caravaggios Darstellungen biblischer Themen haben Erfolg. Er versteht es, heiliges Geschehen und alltägliches Leben zu vereinen. Ganz im Sinne der gegenreformatorischen Erneuerungsbewegung in der katholischen Kirche liefert er verständliche und emotional bewegende Darstellungen.

Bei seinem "Emmausmahl", ein Auftrag der noblen Familie Mattei, versammelt der Maler Männer aus dem einfachen Volke um den Tisch. Selbst Christus ist ein pausbäckiger 30-Jähriger mit geröteter Nase, die langen Haare schon leicht ausgedünnt. Die kleine Gruppe scheint fast aus dem Bildraum herauszudrängen, so eng ist der Ausschnitt gewählt, so sehr konzentriert Caravaggio alles auf den Moment des Erkennens: Ein Jünger reißt die Arme auseinander. Eine Hand hat er nach vorn gestreckt, direkt auf den Betrachter zu, und es wirkt, als greife sie aus dem Bild heraus. Einen zweiten Jünger hält es nicht mehr auf seinem Stuhl. Er ist im Begriff aufzuspringen. Sein rechter Ellbogen durchstößt scheinbar die Bildgrenze.

Diese mutige Komposition setzt eine Auseinandersetzung mit der Renaissancekunst voraus. Denn deren Blick in die Tiefe des Raums stellt Caravaggio hier bewusst die Erweiterung des Bildraums nach vorn entgegen.

Solch kühne Experimente, solch anspruchsvolle Technik passen nicht zu dem Eindruck, den die Kunstkritik vom 17. bis ins 19. Jahrhundert von diesem Maler vermittelt.

Noch im Neuen Allgemeinen Künstlerlexikon Georg Kaspar Naglers von 1835/52 kann man lesen, Caravaggio sei ein Mann gewesen, der "allem guten Geschmacke entgegen, das Gewöhnliche und das Gemeine gesucht und ohne sorgfältiges Studium nur tadelnswerte Werke geliefert" habe. Wer Ursachenforschung betreibt, stößt auf die 1642 gedruckte Caravaggio-Biografie von Giovanni Baglione, die großen Einfluss auf das Urteil der Nachwelt hatte.

Dieser Baglione war ein Kollege, ein Zeitgenosse und ein Intimfeind des gefragten Lombarden, den er mit seinen Aufzeichnungen wirkungsvoll und für lange Zeit diffamiert:

Erfolg habe dieser Maler vor allem beim Pöbel gehabt, der "statt mit den Augen zu urteilen mit den Ohren schaue". Und dann dieser labile Charakter: ein Schläger, ein Krimineller! So einer, urteilt Baglione, "besaß nicht genug Urteilskraft, um das Gute zu wählen und das Schlechte zu lassen" - weder im Alltag noch in der Kunst. Diese Gleichsetzung von Leben und Werk aber wird dem außergewöhnlichen Maler keinesfalls gerecht.

Rom um 1600 ist kein friedliches Pflaster und Caravaggio kein braver Zeitgenosse:

Dass er einem Kellner einen Teller mit Artischocken ins Gesicht wirft, gehört zu seinen harmlosesten Ausrastern. Unerlaubtes Mitführen einer Waffe, nächtliche Ruhestörung ... Er gerät oft mit dem Gesetz in Konflikt.

Im Juli 1605 haut er dem Juristen Pasqualone sein Schwert auf den Kopf. Ursache des Streits ist die Prostituierte Lena von der Piazza Navona, für die Caravaggio eine Schwäche hegt. Doch während des Künstlers Reizbarkeit zunimmt und er seine Ehrenhändel immer öfter mit Gewalt zu lösen versucht, entstehen in seinem Atelier Historienbilder, deren Klarheit, Größe und differenzierter Ausdruck beeindrucken. Gemälde wie die "Grablegung" (1603/04), "Die Pilgermadonna" (1604/05) und vor allem "Die Dornenkrönung" (1602/03), deren grandiose Lichtdramaturgie fasziniert:

Ein Strahl durchstößt die Schwärze des Raums, trifft direkt auf die nackte, hell und scharf hervortretende rechte Nackenlinie des Messias - schlaglichtartig wird dessen Verletzlichkeit und bedingungslose Ergebenheit offenbart. Aus dem Dunkeln am linken Bildrand schiebt sich stellvertretend für den Betrachter die Gestalt eines Soldaten in Rückenansicht ins Bild. Die Figur ist kaum wahrnehmbar, wären da nicht die Lichtreflexe, die den schwarzen Harnisch aufglänzen, die Federn seines Baretts aus dem Dunkeln aufleuchten lassen.

Es gibt die wildesten Spekulationen darüber, wie Caravaggio seine Lichtinszenierungen realisiert hat: Angeblich soll er sein Atelier schwarz verhängt und in das Dach ein Loch gestoßen haben, um den gewünschten Lichteinfall studieren zu können.

Er soll mit Hohlspiegeln gearbeitet, mit seltenen Farbpigmenten und Zusätzen experimentiert haben. Maler und Fotograf David Hockney meint sogar, der Meister habe mechanische Vorformen der Fotografie und Projektionstechnik eingesetzt.

Vom Maler selbst sind keine gesicherten Angaben zu seinen Arbeitsmethoden bekannt.

Es existieren keine Zeichnungen, keine Skizzenbücher. Dass er ausschließlich nach und vor Modellen gemalt haben soll, wie vielfach überliefert, scheint unglaubhaft.

Caravaggio, davon zeugen seine Werke, griff auf antike Vorbilder, auch auf Figuren Michelangelos zurück, wusste um Bildtraditionen und komponierte kunstvoll. Die provokative Natürlichkeit, die seine Bilder berühmt-berüchtigt machten, beschränkt sich auf wenige prägnante Details: Im Gegensatz zu dem damals gängigen "heroischen Gefrierfleisch" (so der Kunsthistoriker Leopold Zahn) besitzen die Körper sei ner Figuren eine natürliche Schwere. Es gibt Krampfadern auf den nackten Beinen eines Propheten zu bestaunen, geschwollene Füße bei der Muttergottes, und ein Heiliger weist die gleichen verhärmten Gesichtszüge auf wie ein römischer Bettler. Ein Vorläufer der Realisten, wie manche unterstellen, ist Caravaggio ob dieser "Natürlichkeit" nicht.

Dafür mangelt es ihm an kritischem, gar agitatorischem Impetus. Ebenso wenig ist er ein Urvater der Moderne, auch wenn ihm das 20. Jahrhundert eine zweite Karriere bescherte, für die der italienische Kunstexperte Roberto Longhi mit einer großen Ausstellung 1951 den Grundstein legte. Ohne Zweifel aber war Caravaggio ein Ausnahmemaler, der neue Wege aufgezeigt hat.

Ohne ihn, so Longhi, "hätte es keinen Ribera, Vermeer, Georges de la Tour oder Rembrandt gegeben. Und Delacroix, Courbet und Manet hätten anders gemalt." Am 28. Mai 1606 tötet Caravaggio im Streit einen Mann. Er muss fliehen. Neapel, damals unter spanischer Herrschaft, dann Malta, Sizilien und wieder Neapel sind die Stationen seines Exils. Er findet neue Auftraggeber, kann wieder Spitzenpreise erzielen, doch er sehnt sich zurück nach Rom.

Im Sommer 1610 scheint er am Ziel: Ein Gnadengesuch liegt unterschriftsreif beim Vatikan. Er macht sich auf in Richtung Norden, kommt aber nur bis an die malariaverseuchte Küste von Porto Ercole. Am 18. Juli 1610 verzeichnet das örtliche Spital den Tod Caravaggios. Er wurde nur 38 Jahre alt.

Ausstellung: "Caravaggio", bis 13. Juni, Scuderie del Quirinale, Rom, www.scuderiequirinale.it Literatur: Sybille Ebert-Schifferer: Caravaggio, Verlag C. H. Beck 2009; Boris von Brauchitsch: Caravaggio, Suhrkamp Verlag 2007; Gilles Lambert: Caravaggio, Taschen Verlag 2000; Sebastian Schütze:

Caravaggio XL, Taschen Verlag 2009

Bildunterschrift:

Betörende Knaben:

"Die Musiker" (1594/95)

Entschlossenheit und Ekel, Mitleid und Fassungslosigkeit spiegeln sich im Gesicht der Judith

Ein Mord zur Rettung des eigenen Volkes:

"Judith und Holofernes" (1598/99)

Wie Caravaggio seine grandiosen Lichtinszenierungen erzielte, bleibt sein Betriebsgeheimnis

Der entblößte Nacken als Zeichen der Ergebenheit:

"Die Dornenkrönung" (1602/03)

Pure Sinnlichkeit: "Bacchus" (1597) - die Spiegelung eines Malers mit Staffelei, die angeblich am Fuß der Karaffe zu sehen sein soll, ist umstritten

Caravaggio holt den Betrachter ins Bild und zeigt die Schönheit der Wirklichkeit

Die "Grablegung" (1603/04) malte Caravaggio für die Kapelle der Familie Vittrici in Rom

Wer zu den Stars der römischen Kunstwelt gehören wollte, brauchte Aufträge für Kirchen und Kapellen

"Ohne ihn hätte es keinen Ribera, Vermeer, Georges le la Tour oder Rembrandt gegeben"

Caravaggios frecher "Amor als Sieger" (1601/02) treibt seinen Kollegen und Biografen Baglione dazu, einen "Himmlischen Amor" zu malen