Ausgabe: 04 / 2010
Seite: 10-22

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Schon in Originalgröße sieht ein Neugeborenes irgendwie verstörend hilflos aus, aber im Maßstab 1:10 steigert sich der Eindruck fast ins Monströse. Der australische Bildhauer Ron Mueck ist bekannt für hyperrealistische Menschenskulpturen wie "A girl" (2006, 110 x 501 x 135 cm), die er bis zur letzten Pore aus Materialien wie Polyesterharz, Polyurethan und Silikon fertigt. 16 seiner Werke - vier davon neu - sind noch bis 18. April in der National Gallery of Victoria in Melbourne in Australien zu sehen. Anschließend reisen die Exponate weiter in die Queensland Art Gallery (8. Mai bis 1. August), und zum Schluss geht es nach Neuseeland in die Christchurch Art Gallery (30. September bis 23. Januar 2011).

EINE LISTE - AUSSTELLUNGSTITEL Ego-Universum 2010 1. That's me! Landesmuseum Hannover 2. Ich geh mit Dir wohin ich will Stadtgalerie Schwaz 3. My secret drawings Galerie Ursula Walbröl, Düsseldorf 4. Ich, zweifellos. 1309 Gesichter Kunstmuseum Wolfsburg 5. Eigenzeit Kunstmuseum Stuttgart 6. I am not half the man I used to be Galerie Klemm's, Berlin 7. Dance in My Experience Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 8. Alle Maße in mir, alle Maße aus mir heraus Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg 9. Incredible Me Galerie Voss, Düsseldorf 10. Ich sichere meine Existenz Galerie Ursula Walbröl, Düsseldorf

Im Grunde macht es dieser Handy-Akku wie der menschliche Körper: Energiegewinnung aus Kohlenhydraten. Der chinesische Designer Daizi Zheng hat eine Bio-Batterie, die Zuckerwasser mit Hilfe von Enzymen in Strom umwandelt, in ein Handy eingebaut - Abfallprodukte:

Wasser und Sauerstoff.

Im Gegensatz zu Lithium- Akkus ist die Bio-Batterie nicht nur billiger und umweltfreundlicher, sondern hält nach Aussage des Erfinders auch drei- bis viermal so lange. Damit wäre ein vergessenes Ladegerät kein Problem mehr, denn Cola & Co gibt es überall auf der Welt. Ob und wann die Bio-Batterie in Massenproduktion geht, erfährt man am besten auf www.daizizheng.com Normalerweise keine Gute Idee, Cola ins Handy zu kippen - hier aber schon!

Im Online-Netzwerk flickr gibt es eine neue Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die alte Fotos wieder in ihren Entstehungskontext einpasst. Das Ganze geschieht manuell, und mitmachen kann jeder:

Eine Hand hält das alte Foto, die andere schießt ein neues, größeres. Die Ergebnisse faszinieren, weil sich die Umgebung verändert hat, obwohl sich das alte Bild noch immer einfügt. Looking Into the Past heißt die flickr-Galerie, die bereits fast 180 000 virtuelle Besucher und mehr als 220 Kommentare verzeichnet. Online- Kurator ist Ed Hunsinger aus San Francisco, der sich auf seiner Webseite www.geeked.info als "Sonderling, Programmierer, Feuerkünstler, Schelm, Geschäftsmann, Web-Enthusiast, Fotograf, Reisender und mehr" bezeichnet. "Looking Into the Past" findet man unter www.flickr.com/groups/lookingintothepast/

"Bitte bedenken Sie, dass der Galerie-Eingang 210 x 122 cm misst", lautete eine Warnung auf der Webseite der South London Gallery, während der großen Entsorgungsaktion des englischen Künstlers Michael Landy. In der Mitte der Galerie hatte Landy die Art Bin aufgebaut, einen 600 Kubikmeter großen gläsernen Müllcontainer für Kunstwerke.

Landy forderte Sammler und Künstler auf, schlechte Arbeiten wegzuwerfen, um ein Monument "kreativen Scheiterns" zu schaffen und fand Gehör: Selbst namhafte Kollegen wie Damien Hirst oder Tracey Emin machten mit. Wegschmeißen ist offenbar Landys Erfolgsrezept:

2001 wurde er schlagartig bekannt, weil er als Kunstaktion seine komplette Habe zerstört hatte.

"Ich fand die Idee vom ersten Moment an großartig!", schwärmt der niederländische Architekt Piet Hein Eek. Ein Musikentertainer hatte sich an ihn gewandt, der von einem ganz besonderen Blockhaus träumte: Es sollte als Holzstapel getarnt am Waldesrand stehen und gerade so viel Platz bieten, wie zum Sitzen und Schreiben nötig ist. Eek hatte Jahre zuvor schon einmal eine ähnliche Holzhütte gebaut, die mittlerweile Teil der Sammlung des Amsterdamer Stedelijk Museums ist. Mehr Bilder dieses außergewöhnlichen kreativen Rückzugsorts gibt es auf www.pietheineek.nl

FRÜHE ERKENNTNIS - KINDER ERKLÄREN KUNST (17)

Svante, 5, über "Die heilige Familie" (um 1633/34) von Rembrandt "Ha, ich weiß, wer das ist! Das ist das Christuskind mit Maria und Josef. Die sind in einem Stall, damit Jesus da geboren werden konnte. In dem Stall muss es ganz schön kalt gewesen sein, weil Jesus mitten im Winter Geburtstag hat. Überhaupt: So ein Stall ist bestimmt nicht besonders gemütlich. Mir geht es viel besser als Jesus, denn ich habe ein eigenes Zimmer. Und das muss ich mir auch nicht mit Eseln und Kühen teilen, sondern nur mit meinem Schneetiger - und der ist aus Stoff. Hinten an der Wand in Jesus' Stall hängt ganz viel Werkzeug - wahrscheinlich, weil da ständig was kaputt geht. Das ist ja auch alles ganz viel früher passiert, als die Menschen noch alles selbst machen mussten und nicht einfach die Handwerker holen konnten. Ich kann auch Sachen reparieren, denn ich habe eine eigene Werkbank mit Hammer, Zange und echten Nägeln. Mein Papa hat kein Werkzeug, denn bei uns repariert Mama alles. Aber so richtig gut kann sie das leider nicht, deswegen ist es gut, dass bei uns nur ganz wenig kaputt geht."

Im Alter von 102 Jahren hat der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer einen neuen Bau vollendet: das Auditorium von Ravello. Wie ein Auge aus Beton und Glas überblickt es aus 300 Metern Höhe die Amalfiküste Westitaliens.

Dort findet jedes Jahr seit 1953 das berühmte Ravello-Festival statt, auf dem in der atemberaubenden Landschaft die Opern Richard Wagners dargeboten werden - der Komponist hatte 1880 Ravello besucht. Das Festival verfügte bisher über keine eigene Spielstätte. Um die Unabhängigkeit von Kunst und Festival zu unterstreichen, hatte die Stiftung für die Realisierung von Niemeyers Plänen die Baufirma Edil Atellana beauftragt, die ausdrücklich ohne jegliche Beteiligung der Comorra arbeitet - trotzdem haben Planung und Bau zehn Jahre in Anspruch genommen.

Energiesparlampenskeptiker aufgepasst: Dieser Deckenleuchter könnte Ihre Rettung sein! Der englische Industriedesigner Tim Fishlock arrangiert 1243 Glühbirnen der alten Sorte mit Hilfe von Fäden zu einer Kugel, in der die Energiesparlampe überhaupt nicht mehr zu sehen ist. Fishlock hat "What Watt?" ganz bewusst im Andenken an die alten Glühbirnen konzipiert, die bis 2011 zugunsten von umweltfreundlicheren Alternativen komplett abgeschafft werden sollen und deren zeitloses Design in 130 Jahren fast unverändert blieb. What Watt? hat einen Durchmesser von einem Meter und sieht ein bisschen aus wie eine gigantische Pusteblume. Infos unter: www.timfishlock.com

Bei diesem seltsamen Schränkchen mit Trichter handelt es sich um die White Noise Machine des japanischen Designers Yuri Suzuki. Die Maschine sammelt Straßengeräusche und wandelt sie in ein neutrales Geräusch, wie zum Beispiel ein Rauschen, um.

Bis auf Weiteres befindet sich der Apparat im indischen Neu-Delhi, da Suzuki zur Zeit den Transport nicht bezahlen kann. Laut einer Ankündigung auf seiner Webseite www.yurisuzuki.com darf derjenige, der dafür aufkommt, die Maschine behalten. Er bittet um Kontaktaufnahme unter yuri. suzuki@gmail.com

DIE ART-HOME-STORY (33)

Zu Gast bei Bjørn Melhus

Krimskrams, Nippes, Utensilien - im Laufe der Zeit sammelt sich so einiges an. Wir besuchen Künstler in ihren Ateliers und lassen uns ihre Lieblingssachen und Herzensdinge zeigen.

Geschicklichkeitsspiel Gefunden habe ich dieses Spielzeug 1999 bei einem Garage Sale in Los Angeles. Es geht darum, mit einem geschickten Wurf das Gehirn in den Kopf zu kriegen - das hat viel mit Entspannung und Feinmotorik zu tun. Im wirklichen Leben ist das doch nicht viel anders! Ich sammle solche Dinge, weil mich Körperfantasien aus aller Welt interessieren.

Michael-Jackson-Masken Diese Gummifratzen sind ein Mitbringsel meiner Mitarbeiterin aus Tokio. Die Wahlmöglichkeit zwischen hell und dunkel bei zwei sonst identischen Masken finde ich phänomenal! Interessant sind auch die Etiketten mit englischer Aufschrift: "Ein Spielzeug für die Jungen und die im Herzen jung Gebliebenen." Den restlichen Text lasse ich mir noch aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzen.

Taschenrechner Dieses Teil der Marke "Texas Instruments" war mein erster Taschenrechner, mein erster Computer! Ich muss echt überlegen, in welchem Jahr ich den bekommen habe!

Das muss 1976 oder 1977 gewesen sein. Ich gehörte zur ersten Generation, die ohne Rechenschieber durch die Schule gegangen ist.

Dieser Umbruch war damals ziemlich bemerkenswert.

DDR-Glühbirne Im Frühling 2009 war ich zur "Biennale am Ende der Welt" eingeladen: auf Feuerland an der südlichsten Spitze Südamerikas.

Als ich dort in den Baumarkt ging, um Material für meine Installation zu besorgen, fand ich diese Glühbirnen im Regal. Dass man 20 Jahre nach der Wende noch Glühbirnen der Marke "Narva"- Made in GDR am anderen Ende der Welt kaufen kann - das hat mich sehr berührt.

Kaktus Darf ich vorstellen: Gonzales, meine einzige Topfpflanze! Wie es ihm geht, ist einfach herauszufinden: Arme nach oben - prächtig. Wenn man ihn fünf Wochen lang vergisst, hängen sie allerdings nach unten. Gekauft habe ich ihn auf einem Pflanzengroßmarkt in Mexico City, das war Liebe auf den ersten Blick. In diesen Sommer ist ihm auch eine Nase gewachsen.

Bildunterschrift:

Die unscharf reproduzierte Endlos-Kopie eines indischen Knüpfteppichs und ein monströser Kristalllüster verwandeln Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie in Berlin vom hohen Tempel der Moderne zur Wärmestube für Kunstflaneure.

Die Mitmach-Installation "Live" von Rudolf Stingel ist noch bis zum 24. Mai zu sehen - kostenlos natürlich.

Vier Jahre schwieg der amerikanische Künstler Sandow Birk. Er wollte erst ein Ergebnis präsentieren, um mögliche Anfeindungen entkräften zu können. Er hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als eine amerikanische Version des Korans zu illustrieren.

Noch ist er nicht mit allen 114 Suren fertig, aber trotzdem haben bereits Galerien in San Francisco und Los Angeles die Blätter gezeigt.

Im Herbst folgt eine Schau in der New Yorker P.P.O.W. Gallery.

Die positiven Reaktionen besonders von muslimischer Seite ermutigen ihn, weiter zu machen. Auf der hier gezeigten Illustration der 40. Sure geht es um die Heimkehr zu Allah. Birk wählt einen Flughafenterminal, in dem Reisende sich die Zeit bis zum Checkin vertreiben. Infos: www.sandowbirk.com, www.ppowgallery.com

Normalerweise keine Gute Idee, Cola ins Handy zu kippen - hier aber schon!

Und weg damit! Zahlreiche Londoner Künstler warfen ihre Werke in Michael Landys gläsernen Kunstmüllcontainer

Das "Treetrunk garden house" entwarf Piet Hein Eek auf Wunsch eines Musik-Entertainers

Oscar Niemeyers Auditorium von Ravello

Carsten Höllers "Revolving Hotel Room" (2008) in Rotterdam

Hommage ans alte Licht: Tim Fishlocks Kronleuchter "What Watt?" aus 1243 Glühbirnen

Sitzt fest in Neu-Delhi:

Yuri Suzukis Geräuschneutralisierer "White Noise Machine"

Der deutsch-norwegische Medienkünstler Bjørn Melhus, 44, in seinem Berliner Atelier (Foto: Nina Lüth)