Ausgabe: 03 / 2010
Seite: 108
"Die Routine der Wahrnehmung brechen"
Von Kito Nedo
Kathrin Rhomberg, Kuratorin der 6. Berlin- Biennale, über die Thesen, Schauplätze und Künstler der diesjährigen Biennale.
Welches Thema hat die 6. Berlin-Biennale?
Anstelle eines engen thematischen Ansatzes wird die Biennale ausgehend von den künstlerischen Arbeiten Fragen stellen und versuchen, die Routine der Wahrnehmung zu brechen.
Auch als eine Auseinandersetzung mit unserer immer unübersichtlicher scheinenden, entwirklichten Welt und der Unmöglichkeit, Zukunft zu denken.
Der Termin der Biennale wurde vom April auf den Juni verlegt - warum?
Berlin zeigt sich im Sommer von seiner besten Seite. Es war nicht einfach, geeignete Ausstellungsorte zu finden. Aber auch die Überlegung, dass die Menschen nicht mehr mehrmals im Jahr an verschiedene Orte in Europa fliegen wollen, machte die Entscheidung einfach, die Biennale im Juni zu eröffnen.
Jetzt ist eine Bündelung mit weiteren Terminen möglich, wie es auch die Venedig- Biennale mit der Art Basel macht.
Wer steht auf Ihrer Künstlerliste?
Die Künstlerliste möchte ich so lange wie möglich offen halten. Erste Namen sind aber schon durch unser Projekt "Artist Beyond" bekannt - unter anderem Nilbar Güres, Petrit Halilaj, Phil Collins oder Marie Voignier. In Kürze werden auch die fotografischen Arbeiten des Berliner Künstlers Michael Schmidt zu sehen sein, die die Biennale im öffentlichen und medialen Raum begleiten.
Und wer ist noch dabei?
Adolph Menzel, auch ein Berliner Künstler. Er hat im 19. Jahrhunderts gelebt. Der US- Kunsthistoriker Michael Fried, der ein bedeutendes Buch über Menzel geschrieben hat, wird im Zusammenhang mit der Biennale eine Ausstellung mit Zeichnungen und Gouachen in der Alten Nationalgalerie kuratieren.
Hier geht es mir um einen anderen Blick auf Menzel, um die Frage welches Verhältnis die Kunst zur Realität haben kann und warum eine Spiegelung der Gegenwart mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufschlussreich sein könnte.
Stehen schon weitere Ausstellungsorte fest?
Neben den KW Institute for Contemporary Art in der Auguststraße und der Alten Nationalgalerie ist ein dritter Spielort ein leer stehendes Gebäude am Kreuzberger Oranienplatz.
Es wird aber auch Projekte im öffentlichen Raum geben.
Langfassung: www.art-magazin.de/rhomberg
Bildunterschrift:
Kuratorin Kathrin Rhomberg
Adolph Menzel: "Der Dornauszieher" (1874)
