Ausgabe: 03 / 2010
Seite: 107

Das neue Projekt von Deitch

Von Claudia Bodin

PERSONALIE Vom Kunsthändler zum Museumsdirektor: Der New Yorker Galerist Jeffrey Deitch wird Leiter des Museum of Contemporary Art in Los Angeles

Er lud die Gang von Dan Colen und dem inzwischen gestorbenen Dash Snow ein, seine Galerie in ein Hamsternest zu verwandeln.

Michel Gondry richtete ein Filmstudio ein, und Design-Guru Stefan Sagmeister philosophierte über das Leben. Jetzt tritt Jeffrey Deitch, der New Yorker Galerist mit einem Faible für Jugendkultur, als Direktor des Museum of Contemporary Art in Los Angeles (MoCA) an. Damit soll ein Kunsthändler und nicht wie üblich ein Historiker mit akademischem Hintergrund das finanziell angeschlagene Museum in die Zukunft steuern und dazu beitragen, dass sich Los Angeles gegen die Kunstmetropole New York durchsetzt.

Ob der 57-Jährige, der gern in italienischen Maßanzügen auftritt, der richtige Kandidat für den Job ist oder doch ein nur flamboyantes Leichtgewicht, wird sich zeigen.

Eigentlich kann man seinen bisherigen Weg als die beste Vorbereitung für den Posten sehen: Deitch bringt einen Business-Abschluss von Harvard mit, als charmanter Kunstberater der Citibank knüpfte er wichtige Verbindungen. Auch angespannte Finanzen sind Deitch nicht fremd: Als Galerist stand er in den neunziger Jahren kurz vor dem Bankrott, als er half, Jeff Koons' "Celebration"- Serie zu finanzieren. Seine 1996 eröffnete Galerie nannte er Deitch Projects, um sich von der klassischen Rolle des Repräsentanten abzugrenzen. Deitch hat sich schon immer als Förderer und vor allem als jemand gesehen, der Kunstspektakel inszeniert.

"Jedes Jahr habe ich versucht, eine historische Ausstellung zu machen sowie ein, zwei mit jungen Entdeckungen", sagt Deitch.

Etwas mehr Visionen wird er für das Programm des MoCA brauchen. Vor allem wird Deitch nicht nur einen elitären Zirkel begeistern müssen, sondern einem breiten Publikum dienen, das nicht selten wenig mit zeitgenössischer Kunst anfangen kann. Die letzte Ausstellung in seiner Galerie wird Street Artist Shepard Fairey bestreiten. Deitch sei das Beste, was dem MoCA passieren könne, glaubt der L. A.-Künstler Fairey. Und ein herber Verlust für New York.

Bildunterschrift:

Faible für Jugendkultur, schöne Frauen und schräge Kunstevents:

Ex-Galerist Jeffrey Deitch mit Warhol- Freundin Paige Powell

Neue Arbeitsstätte von Jeffrey Deitch: das Museum of Contemporary Art in Los Angeles