Ausgabe: 03 / 2010
Seite: 106

Drei, zwei, eins - keins!

Von Michael Kohler

FINANZMISERE Köln diskutiert die Schließung städtischer Museen: Akut bedroht ist jetzt das Museum für Angewandte Kunst

Am 1. März tritt Petra Hesse-Mohr ihre Stelle als Direktorin des Kölner Museums für Angewandte Kunst (MAK) an. Ginge es nach dem Kämmerer der Domstadt, würde sie als einzige Amtshandlung die Schließung des Hauses vorbereiten. Norbert Walter-Borjans hat in der Presse laut darüber nachgedacht, den städtischen Kulturetat zu kürzen und das MAK ganz abzuwickeln. Er befindet sich dabei auf einer Linie mit anderen nordrhein-westfälischen Finanzpolitikern, die überall Konzerthäuser und Bühnen fusionieren wollen und vorsorglich die Schmerzgrenzen von Öffentlichkeit und Kulturinstituten ausloten. Mit dem MAK hat sich Walter- Borjans gezielt das schwächste Haus unter den Kölner Museen herausgepickt.

Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich hier drei Direktorinnen verschlissen. Zuletzt unter der glücklosen Leitung von Birgitt Borkopp- Restle wurden Ausstellungen abgesagt und die Lücken mit teils zweifelhaften Gastspielen gefüllt. Von dem Ansehensverlust hat sich das MAK nicht erholt.

Mit Petra Hesse-Mohr, die von den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim kommt, soll die Wende zum Besseren gelingen - wenn sie denn eine Chance erhält. Kulturdezernent Georg Quander und Oberbürger meister Jürgen Roters haben sich gegen die Sparpläne ausgesprochen. Doch was sind Treueschwüre in schweren Zeiten wert?

Bildunterschrift:

Historische Möbelsammlung im Kölner Museum für Angewandte Kunst