Ausgabe: 03 / 2010
Seite: 91
Derb und prachtvoll
Von Michael Kohler
VORSCHAU Seine mythologischen und mit erotischen Signalen aufgeladenen Allegorien machten Hans von Aachen berühmt - eine Wiederentdeckung
Um 1600 hatte der deutsche Kaiser Rudolf II. seinen Prager Hof zu einem einmaligen Zentrum der Künste und der Wissenschaft ausgebaut. Hier trafen sich die angesehensten Mathematiker, Astronomen, Bildhauer und Maler ihrer Zeit, darunter Johannes Kepler, Giuseppe Arcimboldo oder Bartholomäus Spranger. In einer Reihe mit ihnen stand auch Hans von Aachen (1552 bis 1615), der nach Aufenthalten in München und am Familiensitz der Fugger in Augsburg zwei Jahrzehnte in Prag verbrachte.
Er war zuvor weit gereist, hatte sich in den bedeutendsten italienischen Metropolen ausbilden lassen und stellte seine Meisterschaft in sämtlichen Genres und Techniken der zeitgenössischen Malerei unter Beweis. Eine derbe Wirtshausszene kann sich in von Aachens Werk durchaus mit einem prachtvollen Herrscherporträt messen, am höchsten wurde er jedoch für seine mythologischen und mit erotischen Signalen aufgeladenen Allegorien geschätzt.
Seine virtuose Aneignung der italienischen Malschule konnte nicht verhindern, dass von Aachens Ruhm während des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) verblasste und sein Ansehen zeitweise auf das eines braven Kopisten sank. Heute werden seine lebendigen Bildnisse wieder auf einer Stufe mit denen des bekannteren Spranger gesehen; ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf von Aachens beispielhafter Rolle im damaligen europäischen Kulturaustausch.
Passend dazu macht die Ausstellung über den "Hofkünstler in Europa" (Katalog:
Deutscher Kunstverlag, 24,90 Euro, im Buchhandel 29,90 Euro) in drei Ländern Station: Nach dem Suermondt-Ludwig- Museum ist die Schau in Prag (Burggalerie, 1.7.-3.10.) und im Kunst historischen Museum in Wien (19.10.-9.1.2011) zu sehen.
Insgesamt werden 112 der 250 erhaltenen Arbeiten des Künstlers gezeigt, in Aachen sind es 43 Gemälde, dazu 24 Zeichnungen und 21 Stiche.
Hans von Aachen Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen, 11.3.-13.6.2010
Bildunterschrift:
Mit Symbolen gespickt: von Aachens "Bacchus, Ceres und Amor" (um 1598, 163 x 113 cm)
"Maria Maximiliana, die Tochter des Malers", gemalt 1612 (51 x 38 cm)
