Ausgabe: 03 / 2010
Seite: 88

Das neue Rom am Bosporus

Von Undine Von Rnn

VORSCHAU Die glanzvolle Geschichte von Konstantinopel und dem Byzantinischen Reich wird mit 600 Exponaten und Computeranimationen erzählt

UNDINE VON RÖNN

Sympathisch und ein wenig schüchtern wirkt der schwarze Lockenkopf, der dem Betrachter nicht direkt in die Augen schauen mag. Der heilige Theodor hält ein Kreuz in seiner winzigen rechten Hand, das sich in die Ornamentik seines farbenprächtigen Gewands einfügt. Gewand und türkisfarbene Aureole leuchten auf dem Goldgrund des Medaillons. Die filigrane Arbeit ist Teil der großen Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, die nun die glanzvolle Geschichte von Konstantinopel und dem Byzantinischen Reich zeigt, in dessen Kultur römische und hellenische Traditionen unter dem Einfluss des Christentums als neuer Staatsreligion verschmolzen. Der Aufstieg von Byzanz begann, als Konstantin der Große 330 nach Christus die Hauptstadt des Römischen Reichs an den Bosporus verlegte. Über ein Jahrtausend, von der Spätantike bis zum Beginn der Neuzeit, konnte dieses nicht immer mächtige, aber immer prachtvolle Reich bestehen.

600 Exponate aus aller Welt hat Kurator Falko Daim für die Schau (Katalog:

Hirmer Verlag, zirka 39,90 Euro), die in Zusammenarbeit mit dem Römisch- Germanischen Zentralmuseum in Mainz entstanden ist, zusammengetragen.

Im Zentrum steht die wechselvolle Entwicklung von der Blütezeit des Imperiums unter Justinian I. (527 bis 565) bis zur Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204.

Zu sehen sind unter anderem Kunstwerke wie Ikonen und Mosaiken, Goldschmuck oder Kultgegenstände wie ein perfekt erhaltenes Räuchergefäß in Form eines Kuppelbaus. Um ein lebendiges Bild der damaligen Zeit zu schaffen, werden die Ausstellungsstücke in ihre ursprünglichen Zusammenhänge eingebettet. Anhand von Computer animationen und Kurzfilmen lernen die Besucher auch die Schauplätze kennen und bekommen eine Vorstellung von der geografischen Weite des Byzantinischen Reichs.

Byzanz: Pracht und Alltag Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik, Bonn, 26.2.-13.6.2010

Bildunterschrift:

Medaillon mit dem heiligen Theodor (1. Hälfte 12.

Jahrhundert, Gold, Email)