Ausgabe: 03 / 2010
Seite: 6

Auf der Spur von Yves Saint Laurent

Von

BETR. ART

Die Geschichte begann wie ein Schmierenkrimi:

Ein Wirtschaftsanwalt nimmt Kontakt auf für einen Mandanten, der inkognito bleiben will. Gegenstand ist die einzige größere Sammlung von Zeichnungen des Modeschöpfers Yves Saint Laurent auf dem freien Markt. Der Besitzer ist Investor und wohnt in Südfrankreich. Bekommen hat er die gut 300 Blätter von einem ehemaligen Geliebten des Mode-Genies, der nach dem Ende der Affäre Anfang der neunziger Jahre so tief in Depressionen abgeglitten ist, dass er durch nichts mehr an die gemeinsamen Tage erinnert werden wollte, auch nicht durch die Blätter, die Yves Saint Laurent ihm persönlich geschenkt hatte. Natürlich lagert das Konvolut in einer Schweizer Bank, und der Händler, der sie betreut, wohnt ebenfalls in der Schweiz. Das alles war für art-Korrespondent Gerhard Mack Grund genug, nach Basel zu reisen und Anwalt und Händler im Safe der Basler Kantonalbank zu treffen. Der Besitzer entpuppte sich als fideler Pforzheimer, der Wirtschaftsanwalt fiel durch seine bissigen Äußerungen gegenüber Banken auf, der Händler gab sich auch als klassischer Tenor zu erkennen. Den skurrilen Umständen zum Trotz: Die Blätter waren echt, die Geschichten dahinter faszinierend. Bevor sie auf dem Kunstmarkt angeboten werden sollen, kann art eine Auswahl daraus zeigen (ab Seite 32).

Bildunterschrift:

Bisher unbekannt: das Schweizer Konvolut