Ausgabe: 02 / 2010
Seite: 114
Ein moderner Wanderzirkus
Von Heinz Peter Schwerfel
MUSEUM Mit einer mobilen Kunsthalle und der Eröffnung eines Ablegers in Metz begibt sich das Pariser Centre Pompidou 33 Jahre nach seiner Eröffnung auf Expansionskurs
Die Sammlung des Centre Pompidou, eine der wichtigsten Bestände von Kunst des 20. Jahrhunderts, soll - zumindest teilweise - auf Reisen gehen. Damit möchte Präsident Alain Seban, der sich weniger als Kulturpolitiker denn als Manager versteht, in ganz Frankreich ein größeres, bisher museumsscheues Publikum für Kunst gewinnen. Dazu wurde eine mobile Kunsthalle beschlossen, bestehend aus zeltähnlichen Ausstellungs- und Verwaltungsmodulen, die auf Gastspielreisen durch kleine und mittlere Städte ausgewählte Highlights der Sammlung in die Provinz bringen soll. Entworfen vom französischen Architekten Patrick Bouchain, leicht zu transportieren, aber stabil und klimatisiert, werden auf einer Gesamtfläche von 1000 Quadratmetern Museumsshop, Cafeteria und drei Ausstellungsmodule à 200 Quadratmeter angeboten. Die Führung der Besucher, zumindest akustisch, übernehmen Schauspieler. Vor allem auf das junge Publikum soll das Centre Pompidou Mobile wie ein Wanderzirkus wirken, einschließlich Marktschreiern und freiem Eintritt am Wochenende. Viel gesitteter geht es im vom Japaner Shigeru Ban entworfenen Ableger für die Industriestadt Metz zu, der im Mai eröffnet wird.
Unter einem bis zu 77 Meter hohen Dom werden in einer luftigen, ganz in Weiß und in hellen Hölzern gehaltenen Struktur auf 5000 Quadratmetern 500 Werke aus der Sammlung (Kunst, Design, Architektur, Film) gezeigt.
Bildunterschrift:
Mobile Kunsthalle (Entwurf oben) - das neue Centre Pompidou-Metz (links)
