Ausgabe: 02 / 2010
Seite: 111

Adel verpflichtet nicht

Von Sandra Danicke

DEBATTE Die Verhandlungen über den Verkauf der Holbein-Madonna, einem Hauptwerk der Renaissance, sind ins Stocken geraten

Zeitweilig schien es, als könne das Frankfurter Städel-Museum sich über einen wertvollen Neuzugang freuen. Mittlerweile gelten die Verhandlungen über den Erwerb der Holbein-Madonna zumindest vorläufig als gescheitert. 40 Millionen Euro wollte Städel-Direktor Max Hollein dem Fürstenhaus Hessen, Besitzer des Anfang des 16. Jahrhunderts von Hans Holbein dem Jüngeren geschaffenen Gemäldes, zahlen. Die Mittel sollten vom Städel, der Stadt Darmstadt und verschiedenen Stiftungen zusammengebracht werden. Zehn Millionen wollte zudem das Land Hessen beisteuern, um das Kunstwerk für die Region zu sichern. Es wäre ein ermutigendes Zeichen mit Vorbildcharakter gewesen. Wäre.

Hätte nicht die Erbengemeinschaft des Fürstenhauses versucht, den Preis hochzutreiben. Ein privater Investor sei bereit, 60 Millionen zu bezahlen, hieß es plötzlich, eine Summe, die man am Städel unmöglich auftreiben kann. Doch die Erben sind klamm, und warum soll man sich mit 40 Millionen zufrieden geben, wenn jemand mehr zu bezahlen bereit ist? Dass man die Verhandlungen vorerst vertagen wolle, wurde Hollein schließlich per E-Mail mitgeteilt. Wo enorme Summen ins Spiel kommen, gilt der gesellschaftliche Konsens, dass Kunstschätze wie die Holbein-Madon na prinzipiell allen zugänglich sein sollten, offenbar nichts.

Bildunterschrift:

Holbeins "Madonna mit Kind und Stiftern" (1526/30)