Ausgabe: 02 / 2010
Seite: 95

Museumsreif

Von Adrienne Braun

KRITIK In erschlagender Überfülle werden in Karlsruhe die Schätze aus "Hundert Jahren Kunst der Moderne aus privaten Sammlungen in Baden- Württemberg" präsentiert

"just what is it..." Museum für Neue Kunst im ZKM, Karlsruhe 5.12.-11.4.2010

Plötzlich war das neue Schlagwort geboren:

Public Private Partnership. Um die sollte es gehen, als Götz Adriani vor zehn Jahren in Karlsruhe das Museum für Neue Kunst (MNK) aufbaute. Sammler aus Baden- Württemberg sollten hier ihre Schätze zeigen dürfen. Seither kriselte es: Adriani und der ZKM-Chef Peter Weibel überwarfen sich, das MNK wurde zu einer Abteilung des ZKM degradiert, Sammler kündigten ihre Partnerschaft. Vor allem aber haben die umworbenen Herrschaften längst eigene Museen gebaut: Frieder Burda in Baden- Baden, Marli Hoppe-Ritter in Waldenbuch, die Grässlins in St. Georgen, Siegfried Weishaupt in Ulm, Reinhold Würth an verschiedenen Orten im In- und Ausland. Zum zehnten Geburtstag scheinen sich nun alle versöhnt zu haben. Götz Adriani ist zurückgekehrt und hat aus rund 30 Privatsammlungen eine museale Ausstellung arrangiert.

"just what is it ..." liest sich wie das Who's who der letzten 100 Jahre, angefangen bei der Klassischen Moderne bis in die Gegenwart - Picasso und Matisse, Polke und Pollock, Richter und Rehberger (Katalog: Hatje Cantz Verlag, 49,80 Euro). Gigantisch ist die Schau geraten, rund 120 Künstler sind dabei, Kubismus, Konkrete und Konzeptkunst, Malerei, Installationen, Objekte. Allein das Medium Video kommt mit nur einem großen Beitrag von Sylvie Fleury zu kurz.

Adriani hat sorgfältig und weitgehend chronologisch gehängt, Werke in Kabinetten gebündelt oder die Fotografie zu einem Paket geschnürt, darin Candida Höfers Museumsfotografien (1999) oder Andreas Gurksys "Chicago Board of Trade" (1997).

Vieles war bereits im ZKM zu sehen, anderes haben die Sammler bei sich präsentiert - die Grässlins den begehbaren "Tunnel" (1991) von Martin Kippenberger oder Frieder Burda das sinnliche "Gelbgrün" (1982) von Gerhard Richter.

Der Streifzug durch die letzten 100 Jahre beweist Offenheit und Kundigkeit der Sammler, aber in der erschlagenden Überfülle ist eine Auseinandersetzung mit den zahllosen Einzelpositionen kaum möglich.

Es ist, wie von Anfang an im Sammlermuseum:

Es bedient diverse Interessen - die der Besucher allerdings an letzter Stelle.

Bildunterschrift:

Martin Kippenberger: "Tunnel" (1991), Pressspan und Metall, Sammlung Grässlin