Ausgabe: 02 / 2010
Seite: 14

Pferd und Reiter...

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Pferd und Reiter, das war 2500 Jahre lang Weltformel der Allmacht.

Von Alexander über Napoleon bis Hitler galt das Ross als Sitz kleiner Männer, die sich für große Feldherren hielten. Allerdings ist dieses Podest der Herrlichkeit seit der Atombombe ein wenig aus der Mode gekommen. Franco, General Schukow oder Atatürk zählten zu den letzten Führern, die nach dem Zweiten Weltkrieg noch in Bronze gegossen und von Tauben bekleckert wurden.

Angela Merkel kann man sich nur schwer zu Pferde vorstellen. Zum rapiden Bedeutungsverlust des Reiterbilds scheint auch der Hingucker der letzten Art Basel Miami Beach zu gehören: Michael Jacksons Monumentalporträt als Philipp II. von Spanien. Der Afroamerikaner Kehinde Wiley, der erfolgreich klassische Herrschaftsbildnisse abmalt, die Personen aber durch junge Schwarze ersetzt, hatte von Jackson den Auftrag erhalten, ihn als King of Pop zu verherrlichen. Aus der Rüstung, in der Rubens den Inquisitionskönig porträtiert hatte, und dem Pferd des Fürsten Potocki von Jacques-Louis David komponierte Wiley den Phantomschmerz großer Kunst, den man Kitsch nennt. Und dennoch passt diese Verlängerung eines Genres in die Gegenwart, denn die Parallelen zwischen Jackson und den großen Diktatoren sind zahlreich. Wie Ceausescu, der sich die "Dallas"- TV-Ranch nachbaute, oder Hitler mit seinen Germania-Träumen, hat auch Jackson mit der Neverland- Ranch eine absurde Kulisse seiner psychischen Komplexe erschaffen.

Wie Feldherren bewegte er Millionen, wie Mao, der in Fotos seine schwarzen Zähne retuschieren ließ, schönte er an seiner schwarzen Haut herum, allerdings chirurgisch.

Dass er zudem ein paar unappetitliche Leidenschaften besaß, entfernt ihn nicht aus der Linie von Caligula über Ludwig XIV. bis zu Bokassa. Nur umgebracht hat er vermutlich niemanden. Aber das passt auch nicht zu seiner persönlichen Allmachtsfantasie.

Im Gegensatz zum Größenwahn der tyrannischen Zwerge war sein Traum selbst zwergenhaft: Als Peter Pan wollte er für immer ein Junge bleiben. Und genau so überliefert ihn Wiley: als Kind in der Amtstracht des Märchens.