Ausgabe: 02 / 2010
Seite: 28-42
Der Mann, der van Gogh in den Ruhrpott brachte
Von Tim Sommer
Der Sammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus war ein Kraftwerk der Moderne. Ab März zeigt das Essener Museum Folkwang sein Lebenswerk in der Schau "Das schönste Museum der Welt"
Folkwang war ein Zauberwort, ein Mantra für Kunst der Moderne und ein Heilsversprechen für das rauchende, proletarische Revier. Vor allem aber war Folkwang - und ist es bis heute - ein sehr seltsamer Name für ein Museum. Folkvangar ist in den nordischen Mythen der Palast der Göttin Freya, zuständig für Liebe und Fruchtbarkeit - und allenfalls nebenbei auch für Künste. Vielleicht aber hat Karl Ernst Osthaus, als er in Hagen sein Heiligtum plante, auch nur an einen grünen Anger gedacht, wo sich das Volk der Ahnen unter Linden traf, Heldengeschichten lauschte und neue Taten plante.
Der junge Mann mit dem "Fanatikergesicht", 1,96 Meter groß und sehr hager, hatte ein Erbe und eine Mission. Seine Mutter war kurz nach der Geburt gestorben; der Vater, ein strenger Bankier, hatte den 1874 geborenen Sohn noch in eine kaufmännische Lehre gezwungen, aus der ihn erst ein Nervenzusammenbruch erlöste.
Der sendungsbewusste Junge will sein Leben der Schönheit widmen, er will zur Universität, einmal "Professor der Ästhetik" werden. Zunächst scheint nichts an ihm modern, er ist ein wilhelminischer Schnösel mit noch vagen kulturellen Ambitionen, vor allem als Dichter sieht er sich. Freilich nicht um seinen "Namen zu erhöhen", sondern um sein "Volk zu edlerem Schwunge zu begeistern".
Sein Antisemitismus und sein glühendes Engagement für "alldeutsche" Ideen - was die Vereinigung des Reichs mit Österreich, der Schweiz und diversen weiteren Gebieten meinte - waren ganz typisch für seine Schicht des neureichen Bürgertums im vollen Eifer der siegverwöhnten Pickelhauben- und Kruppkanonenzeit.
Nach Stationen in Kiel, München und Berlin kommt es in Wien zum Eklat. Wie der hat er vor Studenten alldeutsche Reden geschwungen, schon begrüßt ihn der Saal mit "Heil Osthaus"-Rufen. Da verweist man den chauvinistischen Brausekopf des Landes, heim ins Reich.
Dann beginnt die denkwürdige, nie ganz vollendete Verwandlung vom unausgerichteten Schwärmer zum unermüdlichen Promoter der Moderne, der nicht nur das Museum neu erfand, sondern als Vorbote des Bauhauses die Verknüpfung von Industrie und Gestaltung vorantrieb. Osthaus wechselt von der vaterländischen Kampflinie an die diffuse Front der Selbstfindung des modernen Einzelwesens, das sich jenseits der Nationen um das Glück der Menschheit sorgt - und dabei ganz pragmatisch im eigenen Umfeld ansetzt. "Global denken, lokal handeln", würde man heute sagen.
Die Großeltern mütterlicherseits, Schraubenfabrikanten, hinterlassen ihm 1896 drei Millionen Goldmark, was nach heutiger Kaufkraft etwa 30 Millionen Euro entspricht. Der erst 22-jährige Osthaus entschließt sich, zwei Drittel des Vermögens dem Gemeinwohl zu widmen - in Form eines Museums für seine Heimatstadt Hagen.
Es ging ihm um die "kulturelle Hebung des industriellen Westens", dessen "geistige Verwahrlosung" er "stark empfand".
Was wie der gereifte Entschluss zum bürgerschaftlichen Engagement erscheint, ist zunächst ein ziemlich unausgegorenes Projekt.
Das zeigt sich schon daran, wie eng seine Kreise und wie konventionell seine Gedanken noch waren. Osthaus zieht mit seinem Gymnasialprofessor nach Nordafrika, um dort Steine und Käfer zu sammeln. Zum Architekten bestimmt er den Berliner Baurat Carl Gérard, der schon seinen Eltern die standesgemäße Zuckerbäckervilla entworfen hatte. Osthaus schwebt zu dieser Zeit eher eine Mustersammlung aus Naturschönheiten und internationalem Kunsthandwerk vor, präsentiert in einer steinernen Schmuckschatulle mit Türmchen und Balustraden, die ebenso gut eine Bank oder ein Postamt hätte beherbergen können.
Der Rohbau des Museums steht bereits und umfangreiche Sammlungen von Insekten, Mineralien, asiatischen Töpfen und orientalischen Kacheln sind zusammengetragen, da stößt Osthaus auf einen Aufsatz über den belgischen Jugendstilpropheten Henry van de Velde. Sofort wird ihm klar, "dass hier der Weg der Zukunft beschritten ist, der durch Vernunft zur Schönheit führt".
"Lesen und handeln war eins", sagt er später über diese Sternstunde seines Lebens. In einem kurz gefassten, energischen Brief kündigt er sich bei van de Velde in Brüssel an, um sich seiner "Mitwirkung zu versichern".
Es gehe ihm darum, "den kunstverlassenen Industriebezirk an der Ruhr für das moderne Kunstschaffen zu gewinnen".
Der noch unerfahrene Millionenerbe und der elf Jahre ältere, weltläufige, europaweit vernetzte Designer und Kunstkenner schmieden ein Bündnis, das die Hagener Provinzkulturoffensive binnen weniger Jahre zu einem Avantgardeprojekt von europäischer Tragweite werden lässt. Sofort entzieht Osthaus Gérard den Bauauftrag, van de Velde entwirft nun die Innenausstattung des Museums, was freilich viel teurer kommt als Neorenaissance von der Stange. Als das Haus 1902 eröffnet wird, ist es das perfekte Abbild einer Epoche im Übergang: Wer über die Schwelle des säulenflankierten Prunkportals tritt, findet sich in einem durchgestylten Raumgefüge gediegensten Jugendstils, wie es das kaum irgendwo in Deutsch land gibt - geschweige denn in Hagen.
Im Keller werden Insekten gezeigt, eine Leidenschaft von Osthaus seit Kindertagen, und eine Reminiszenz an den Glauben, dass Natur und Kunst einen Kosmos bilden, ein Gesamtkunstwerk aus göttlicher und künstlerischer Schöpfung. "Das Reich der Schmetterlinge gleicht einem Chrysanthemenhaus, in dem jede Möglichkeit der schönen Farbenstellung entwickelt ist", schreibt Osthaus. "Das Ergebnis nenne Zufall wer will; Künstler spüren Geist von ihrem Geiste." Für seinen Mentor van de Velde haben die aufgespießten Insekten in einem Kunstmuseum wohl nichts zu suchen. Er führt den Sammler bei den avanciertesten Kunsthändlern der Zeit ein, Ambroise Vollard in Paris und Paul Cassirer in Berlin. Dort kauft Osthaus in schneller Folge Bilder von Claude Monet, Auguste Renoir, Georges Seurat, Paul Signac und Paul Gauguin, Skulpturen von Auguste Rodin und Constantin Meunier, teils damals schon moderne, teure Klassiker, teils höchste umstrittene Kunst, ganz ungesicherte Investitionen. Das Museum in Hagen ist das erste der Welt, das die damals so genannte "Negerplastik" zeigte, das erste in Deutschland mit Bildern von van Gogh und Henri Matisse. Beides ist hier revolutionär: Dass Avantgardekunst überhaupt ins Museum kommt - und die Art und Weise, wie sie Osthaus kombiniert.
In einem Artikel schildert Gertrud Osthaus, seine Frau, die ihn später zugunsten eines anthroposophischen Landwirts verlassen wird, die einzigartigen Hagener Arrangements, die nicht den üblichen kunsthistorischen, sondern künstlerischen Gesetzen folgen: "In einem kleinen, ganz umschlossenen Raum stehen vor dunkellila Wänden viele alte vergoldete Buddhafiguren, segnende und betende. In den anstoßenden Räumen dagegen hat der Wille zu einer Vereinigung des Psychisch-Verwandten Zeiten und Völker übersprungen. Zwischen heiligen Steinen aus Korea und Bronzen aus Laos hängen Bilder von Gauguin, steht eine Skulptur von Minne. Und seltsam, das Leben dieser Werke vereint sich hemmungslos." Das Museum wurde zur Pilgerstätte für das reformbewegte Deutschland, für Kräfte, die weg von der wilhelminischen Repräsentationskultur hin zu einer dem Industriezeitalter gemäßen Kunst und Lebensweise wirkten. Osthaus hatte gelernt, dass die Moderne kein Ziel und keine Vollendung kannte, er litt darunter und - das macht seine Größe aus - er akzeptierte es: "Das Schaffen begabter Künstler hat uns Werke beschert, die in sich geschlossen erscheinen. Aber zur Allgemeingültigkeit ist noch keiner durchgedrungen. Heute ist die Welt differenzierter geworden, ein allgemeiner Stil scheint unmöglich zu sein." Während es auf der Berliner Museumsinsel oder im British Museum in London darum ging, aus imperialer Perspektive die Kunst aller Zeiten und Völker zu katalogisieren, wollte Osthaus aus der beginnenden globalen kapitalistischen Vernetzung ästhetischen Mehrwert er zeugen. "Dem modernen Menschen, der an keine Tradition, Zunft oder lokale Gemeinschaft mehr gebunden ist", schrieb ein Mitarbeiter, "stehen alle Dokumente und Werte des Lebens der Vergangenheit und der Erde offen. So ist dies Museum ein Mikrokosmus des Geistes der Erde, zugleich ein Spiegelbild der modernen Seele, und schöpft seinerseits wieder gerade seine besten Kräfte aus eben dieser Zeit." Osthaus beginnt deutsche Expressionisten zu kaufen und integriert die atelierfrische Gegenwarts kunst sofort in sein Museum. Emil Nolde sieht im Folkwang ein "Himmelszeichen", ein "Ideal", August Macke schreibt nach einem Besuch im Ruhrgebiet voll Begeisterung "Wir waren ganz jeck, wie man hier sagt." Zuerst wohnt das Ehepaar Osthaus noch im Obergeschoss des Museums, später baut ihnen van de Velde die Villa Hohenhof über der Stadt, auch sie ein radikaler Gegenentwurf zu den Schlössern der Industriebarone. Statt pompösem Stilgemisch mit Samt und Posamenten herrschen hier kompromisslose Klarheit und puristische Eleganz. Das Leben als Muster des Fortschritts: Besucher bekommen eine Live-Vorstellung vom bereinigten, erhöhten Leben unter dem Leitstern der Moderne.
Die dichtende Gertrud Osthaus ist wohl der musischere Teil des Paares, Karl Ernst hingegen in seinem ernsten Eifer fast ein Jesuit seiner Ideale. "Ihm nahezukommen war nicht leicht; denn er lebte leidenschaftlich in Ideen", erinnert sich später ein Mitarbeiter.
Es ist kein Bonmot, keine einzige ironische Bemerkung von Osthaus überliefert.
Täglich fährt der Millionär mit der Straßenbahn zur Arbeit in sein Museum, das er als Forum der Erneuerung führt: Ausdruckstänzer nutzen es als Bühne, es wird über Reformkleidung und Körperkultur debattiert, Else Lasker-Schüler rezitiert ihre Gedichte, Heinrich Mann und Theodor Däubler lesen aus ihren Romanen. Eine Malschule wird im Museum gegründet, ein Schaufensterwettbewerb ausgerichtet. Immer wieder versucht Osthaus, Kunsthandwerker, Architekten, Künstler nach Hagen zu locken. Er kämpft für einen Generalbebauungsplan der wuchernden Ruhrregion, plant selbst Siedlungen für Arbeiter und Villenviertel für das Bürgertum.
Seit 1909 betreibt er im Folkwang zusammen mit dem Deutschen Werkbund das einzigartige "Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe", das aus seiner ständig ergänzten Mustersammlung und einem Dia-Archiv Wanderausstellungen über Reklame, Linoleum oder Industriebau zusammenstellt, die man für eine geringe Leihgebühr in seine Stadt holen kann.
Die Meinungen gehen auseinander darüber, ob sich Osthaus letztlich verzettelt hat, oder ob nur der Erste Weltkrieg das Reformunternehmen "Folkwang" in Hagen scheitern ließ. Und nach dem Krieg glaubte keiner mehr, auch nicht der Idealist Osthaus, dass sich die Welt durch Kunst retten ließe - allenfalls Bildung der Jugend versprach noch Erfolg. Sein letztes Projekt war eine burgartige "Stadtkrone" für Hagen - kein Museum, sondern eine Schule, entworfen von Bruno Taut: ein 20 Meter hohes, kristallförmiges "Haus der Andacht" als spirituelles Zentrum, rundherum Klassenräume, Internate, Werkstätten, Gärten. Die Idee blieb ein Traumschloss. Karl Ernst Osthaus starb 1921 in Meran an Kehlkopftuberkulose.
Hagen hätte seinen Schatz für einen Bruchteil des Wertes von den Erben kaufen können. Dass weder Geld noch Willen dazu aufgebracht wurden, zeigt, wie fremd sich trotz aller Bemühungen die Stadt Hagen und die Kunst geblieben waren. In Essen war man klüger: Ein Konsortium von Bürgern und Firmen gründete den bis heute bestehenden Folkwang-Museumsverein, der die Sammlung ankaufte. Die Kommune verpflichtete sich, ein Haus dafür zu bauen.
Es war eine glückliche Sekunde zwischen Nachkriegsdepression und Weltwirtschaftskrise.
Dennoch bleibt erstaunlich, dass man so kurz nach dem Krieg 15 Millionen Mark zusammenbrachte, um dieses disparate, ganz individuelle Konvolut aus Kunst des "Erbfeindes", umstrittener Avantgarde und diversem Welterbe dem benachbarten Hagen abzuluchsen. Das bis dahin unbedeutende Essener Museum wurde auf einen Schlag zum wichtigsten Kunstinstitut der Ruhrregion - und ist es nach den Plünderungen durch die Kunstinquisitoren des "Dritten Reiches" (siehe Kasten Seite 36) längst wieder geworden.
Literatur: Rainer Stamm (Hrsg.): Karl Ernst Osthaus.
Reden und Schriften. Verlag der Buchhandlung Walther König, 2002; Karl Ernst Osthaus.
Leben und Werk. Verlag Aurel Bongers, 1971
"Das schönste Museum der Welt" Kaum ein Museum in Deutschland wurde zur Zeit des Nationalsozialismus so gründlich geplündert und geschändet wie das Folkwang in Essen. Der hinhaltende Widerstand des privaten Museumsvereins konnte nicht verhindern, dass mit tatkräftiger Hilfe des Bürgermeisters über 1400 Werke beschlagnahmt wurden, darunter nicht nur Bilder der verfemten deutschen Expressionisten, sondern auch solche von Georges Braque, Paul Cézanne, Giorgio de Chirico, André Derain, Henri Matisse und Edvard Munch. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Essen ein Trümmerfeld, das Museum bis auf die Grundmauern zerstört und die von Ernst Gosebruch bis 1933 weitergeführte Osthaus-Sammlung nur noch ein Torso. Die von Uwe M. Schneede zusammengestellte und von E.ON Ruhrgas unterstützte große Eröffnungsschau des neuen Museums Folkwang rekonstruiert nun mit 400 Stücken, viele davon internationale Leihgaben, erstmals diese einzigartige und bahnbrechende Kollektion aus Kunst der europäischen Moderne, Antiken, Asiatika und Stammeskunst, die der amerikanische Kunsthistoriker Paul J. Sachs 1932 bei einem Besuch in Essen "Das schönste Museum der Welt" genannt hat.
Museum Folkwang, 20. März bis 25. Juli, Katalog: Steidl Verlag, 29 Euro
Das neue Folkwang in Essen Vierspurig fließt der Verkehr auf der Essener Bismarckstraße, nicht gerade der ideale Ort, um ein Museum zu bauen - wenn es hier nicht schon eins gäbe: Das Museum Folkwang wurde 1922 in zwei Villen eröffnet, es folgte ein Neubau, der dem Krieg zum Opfer fiel. 1960 erstand es in seiner Nachkriegsgestalt, ein klassisch modernes Haus. Ihm wurde 1983 ein Erweiterungsbau angehängt, der sich aber als unpraktisch und zu eng erwies. An dessen Stelle steht nun der Neubau von David Chipperfield - dem englischen Architekten mit der preußischen Seele. Seine Projekte wie das Neue Museum in Berlin und das Literaturmuseum in Marbach knüpfen an die klassizistische Tradition der deutschen Architektur an, immer mit großem Respekt vor dem Alten und dem nötigen Feingefühl für die Baugeschichte des Ortes. Chipperfield ist der Meister einer eingebetteten Architektur, die auf triumphale Gesten verzichtet - auch in Essen. Der komplett durch die Krupp-Stiftung finanzierte Neubau des Folkwang führt die Klarheit und moderne Strenge des Altbaus fort, bereichert ihn aber um Offenheit und Leichtigkeit. Zum ersten Mal öffnet sich das Haus zur Straße hin; dass man sich trotzdem erhoben fühlt, ist dem Sockelbau zu verdanken, mit dem Chipperfield sich vom abfallenden Gelände absetzt. Die Strenge der Architektur wird durch die sorgsam gesetzten Ausblicke relativiert. In vier Innenhöfen wachsen Gras und Bäume, die Fenster sind so geschickt positioniert, dass die triste Umgebung kaum, dafür aber viel Grün zu sehen ist. Das Haus hat die Übersichtlichkeit eines römischen Feldlagers: Vom großen zentralen Foyer aus gelangt man fast intuitiv in die einzelnen Abteilungen. Bei der Wahl der Materialien gibt Chipperfield sich eigensinnig:
Die milchig schimmernde Fassade wurde aus Altglas hergestellt; beim Boden widersetzte sich der Architekt dem momentanen Parkett-Trend zugunsten von Estrich mit Rheinkiesel.
Bildunterschrift:
Vincent van Gogh:
"Porträt Armand Roulin" (1888, 65 x 54 cm)
August Macke: "Frau mit Sonnenschirm vor Hutladen" (1914, 61 x 51 cm)
Die Maler der Brücke und des Blauen Reiters wurden früh im Folkwang ausgestellt - und gesammelt
Ernst Ludwig Kirchner: "Fünf Frauen auf der Straße" (1913, 120 x 90 cm)
Paul Cézanne: "Der Steinbruch von Bibémus" (um 1895, 65 x 81 cm)
Wo es ging, suchte Osthaus den direkten Kontakt zu den Künstlern. Den greisen Cézanne besuchte er in Südfrankreich, um ihm Bilder zu entlocken
Paul Gauguin: "Barbarische Erzählungen" (1902, 132 x 91 cm)
Manet war längst ein Klassiker - Matisse völlig ungesicherte Avantgarde der Zeit
Henri Matisse:
"Stillleben mit Blumen" (1907, 117 x 89 cm, links), Pierre Auguste Renoir:
"Lise mit dem Sonnenschirm" (1867, 184 x 116 cm)
Zunächst scheint nichts an Karl Ernst Osthaus modern, er ist ein wilhelminischer Schnösel mit noch vagen kulturellen Ambitionen
Im Folkwang traf von Anfang an Avantgarde auf Weltkunst:
"Maskenstillleben III" von Emil Nolde (1911, 74 x 78 cm), eine Malanggan-Figur aus Melanesien (um 1900)
Das Folkwang in Hagen firmiert heute als "Osthaus-Museum", die Sammlung wanderte nach Essen
Für die Zeitgenossen waren die freien Osthaus-Arrangements in Hagen eine Offenbarung
Henry van de Velde gestaltete die Räume, hier das Foyer mit dem Brunnen von George Minne
Das Folkwang war das perfekte Abbild einer Epoche im Übergang: Hinter dem wilhelminischen Prunkportal fand sich ein Raumgefüge gediegensten Jugendstils
Karl Ernst Osthaus, um 1920 porträtiert von Albert Renger-Patzsch
Der edel proportionierte Chipperfield-Bau öffnet sich über eine große Freitreppe zur Straße und hebt sich damit zugleich über die Essener Tristesse hinweg. Die Fassade aus Altglas schimmert grünlich
Maß und Ordnung, Licht und Luft: Fast intuitiv erschließt sich die Folge der klaren, hohen Schauräume, immer wieder eröffnen sich Ausblicke in geschickt platzierte Innenhöfe
Auch der Neubau des Folkwang in Essen beweist: Chipperfield ist der englische Architekt mit der preußischen Seele
Nach dem Krieg glaubte keiner mehr, dass sich die Welt durch Kunst retten ließe
