Ausgabe: 01 / 2010
Seite: 107

Meister der extremen Posen

Von Claudia Bodin

VORSCHAU 60 Zeichnungen von Agnolo Bronzino, einem Hauptmeister des italienischen Manierismus - Leihgaben kamen unter anderem aus dem Kupferstichkabinett des Louvre

Agnolo Bronzino Metropolitan Museum of Art, New York 20.1-18.4.2010

Agnolo di Cosimo di Mariano Tori war ein belesener Feingeist. Der Maler, der Bronzino genannt wurde, schätzte den Dichter Dante Alighieri und diente als Hofmaler der Medici in Florenz, wo er neben Altarbildern vor allem Porträts für Cosimo I., Herzog der Toskana, von anderen Mitgliedern der Medici-Familie und von Florentiner Adligen, Dichtern, Schriftstellern und Musikern malte.

Für die Ausstellung "The Drawings of Bronzino" trug das Metropolitan Museum 60 Arbeiten aus europäischen und amerikanischen Sammlungen zusammen, unter anderem aus dem Kupferstichkabinett des Pariser Louvre. Es sind beinahe alle bekannten Zeichnungen des 1503 geborenen und im Alter von 69 Jahren gestorbenen Agnolo Bronzino, der wohl aufgrund seines dunklen Teints oder auch wegen seines bronzefarbenen Haupthaars so gerufen wurde.

Bronzino war Schüler und Adoptivsohn von Jacopo da Pontormo (1494 bis 1557), einem der Hauptvertreter des Florentiner Manierismus, dessen Stil ihn neben dem von Michelangelo und Raffael stark beeinflusste.

Der italienische Künstlerbiograf Giorgio Vasari urteilte sogar, er "nahm dessen Manier an und ahmte ihn in einer Weise nach, dass ihre Arbeiten sich einige Zeit zum Verwechseln glichen".

Für ein paar Jahre arbeiteten Pontormo und sein Lehrling gemeinsam an Fresken in Kirchen und Klöstern von Florenz. Wie schon Pontormo, verwendete Bronzino die Farben glatt und nahezu ungebrochen, was seinen Bildern Glanz und die für den Manierismus typische Kühle verlieh. Auch weisen die Körper seiner Gestalten die charakteristischen zerdehnten, oft in extremen Posen erstarrten Gliedmaßen auf.

Mit seinen religiösen Gemälden hatte Bronzino allerdings weniger Erfolg. Denn bei all ihrer glatten Eleganz zeigten sie nur wenig Gefühl. Broninzos Stärke sollten seine strengen, individuellen Porträts werden.

Die wohl persönlichsten Bilder malte der Meister, der sich auch als Dichter versuchte, von Literaten seiner Zeit. Bronzino selbst liebte die Aktmalerei mit ihrer verführerischen Note.

Obwohl er keinen runden Geburts- oder Todestag hat, gibt es noch zwei weitere Ausstellungen: Bis zum 31. Januar ist in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Bronzinos "Madonna Stroganoff" aus dem Moskauer Puschkin-Museum zu sehen.

Und der Palazzo Strozzi in Florenz zeigt vom 24. September bis zum 23. Januar 2011 die monografische Ausstellung "Bronzino.

Künstler und Poet".

Bildunterschrift:

"Kopf einer lächelnden jungen Frau" (um 1542/43), Kohle, schwarze und weiße Kreide