Ausgabe: 01 / 2010
Seite: 97

Ironie mit Pin-up-Girls

Von Adrienne Braun

VORSCHAU Der Amerikaner Mel Ramos malt seit den fünfziger Jahren hintersinnige Anspielungen auf die Strategien der Werbebranche

Mel Ramos Kunsthalle, Tübingen 23.1.-25.4.2010

Zigaretten und Zündkerzen, Cola und Ketchup - Mel Ramos ist nichts zu profan, um es mit einem Akt zu kombinieren.

Seine Lieblingsmotive sind nackte Frauen, die auf Zigarren reiten oder Flaschen umarmen.

Pornografie? Das wurde Mel Ramos oft vorgeworfen, der US-Künstler sieht es anderes. "Er behauptet, dass er nie Frauen gemalt habe, sondern immer nur ein Bild einer Frau." Das sagt Daniel J. Schreiber, der Leiter der Kunsthalle Tübingen, die Ramos mit einer Retrospektive zu seinem 75. Geburtstag würdigt. (Katalog: Hatje Cantz Verlag , 19,80 Euro). Unter den Gemälden sind mehrere Pin-up-Girls vertreten, die Mel Ramos in den sechziger Jahren bekannt machten. Für ihn sind es ironische Anspielungen auf die Werbung, die noch so profane Produkte mit Haut bewirbt. Stichwort:

Sex sells. "Mel Ramos macht Bilder von Bildern, nicht von lebenden Objekten", sagt Schreiber, der den Pop-Art-Künstler in die Nähe des Surrealismus rückt. "Salvador Dalí war für ihn sehr inspirierend". Auch Mel Ramos bringe Dinge zusammen, die nicht zusammen gehörten - wie in dem Gemälde "Monterey Jackie" (1965), in dem eine Blondine auf einem Stück Käse thront.

Die Ausstellung beginnt Ende der fünfziger Jahre, als der Amerikaner versuchte, sich vom abstrakten Expressionismus zu befreien. Er entdeckte Comics für sich und die Kunst, malte Superman, Wonder Woman oder Miss Liberty - "und konterkariert die Comicdarstellung durch pastosen Farbauftrag", so Schreiber, "das ist viel fleischlicher".

Die Ausstellung zeigt "Unvollendete Gemälde", bei denen Ramos Akte klassischer Meister im Stil der Pop Art nachmalt.

Mit nackten Frauen, meint Schreiber, wolle der Künstler an das Schöne in einer unschönen Welt erinnern. "Er sieht sich nicht als Aktmaler." In Tübingen kann man auch einen anderen Mel Ramos entdecken.

Es sind kalifornische Landschaften zu sehen oder Blicke aus dem Fenster. Eine Sektion zeigt auch Tuschezeichnungen und Aquarelle, die den Entwurfsprozess dokumentieren.

Außerdem konnten für die Ausstellung, die der Künstler mitkonzipiert hat, einige seiner seltenen Skulpturen aufgetrieben werden.

Bildunterschrift:

Dinge, die nicht zusammen gehören:

Mel Ramos' "Lola Cola #6" (78 x 102 cm) von 2009