Ausgabe: 01 / 2010
Seite: 122
Sammler im Fünferpack
Von Ute Thon
SCHAULUST Europäische Privatsammlungen starten gemeinsames Ausstellungsprojekt in Turin
Neben dem Eingang baumelt ein gigantischer gelynchter Maulwurf von der Decke, am Garderobenhaken hängt Maurizio Cattelan im Filzanzug und weiter hinten ein quietschbuntes Schwimmtier von Jeff Koons - eine typische Ausstellung in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, einem Privatmuseum für zeitgenössische Kunst in Turin. Diesmal stammen die ausgestellten Werke allerdings nicht nur aus dem Depot der italienischen Kunstmäzenin Patrizia Sandretto Re Rebaudengo. Der Maulwurf gehört der Fondation Antoine de Galbert in Paris (La maison rouge), das Koons-Werk dem griechischen Großsammler Dakis Joannou (Deste Foundation). Außerdem sind Werke aus der portugiesischen Ellipse Foundation und der Magasin 3 Stockholm Konsthall zu sehen. Für die Schau haben sich die fünf Privatsammlungen erstmals zu einer Gruppe zusammengetan, mit dem erklärten Ziel, "größere, abenteuerlustigere Projekte zu realisieren".
Die neue Sammlervereinigung trägt den Namen FACE (Foundation of Arts for a Contemporary Europe). Die Ausstellung "Investigations of a Dog" wurde gemeinschaftlich kuratiert. Nach Turin (bis 4.
März) wandert sie nach Portugal, Paris, Stockholm und Athen. Auch beim Europäischen Parlament in Brüssel ist die FACEGruppe bereits vorstellig geworden. Zunächst wollen die Privatsammler ihre Aktivitäten aus eigener Tasche finanzieren.
Doch Patrizia Sandretto schließt nicht aus, dass man sich in Zukunft um Mittel aus den EU-Kulturfonds bemühen werde. Die einflussreiche Sammlerin, Mitglied einer italienischen Unternehmerdynastie, hat ihre Stiftung 1995 gegründet und bietet dort neben wechselnden Ausstellungen auch Workshops für Studenten und Stipendien für Kuratoren an. "Ich sammle nicht, um die Werke im Depot verkümmern zu lassen. Ich möchte ein wachsendes Publikum näher an Gegenwartskunst heranbringen." In Zeiten schrumpfender Kulturbudgets sind solche Initiativen gern gesehen. Dass der wachsende Einfluss privater Sammler auch Kritik erzeugt, erlebt dagegen FACE-Mitstreiter Joannou. In New York steht der Grieche wegen einer Schau aus seiner Sammlung im New Museum unter Beschuss (art 12/2009). "Ich glaube, das beruht auf einem Missverständnis", sagt Joannou. "Egal, ob ich mit einem öffentlichen Museum oder anderen Privatsammlern zusammenarbeite - mir geht es nicht um Einflussnahme, sondern gerade darum, die Kontrolle über meine Sammlung zu verlieren."
Bildunterschrift:
FACE-Verbündete: (v.l.n.r.) Antoine de Galbert (La maison rouge), David Neu- man (Magasin 3), Patrizia Sandretto Re Rebaudengo, Dakis Joannou (Deste Foundation), Alexandre Melo (Ellipse Foundation)
