Ausgabe: 01 / 2010
Seite: 119

Bambus und Dessous

Von Kerstin Schweighfer

FÖRDERUNG Der niederländische Prinz-Claus-Fonds unterstützt ungewöhnliche Kulturprojekte - gerade wurde Bambus- Baumeister Simón Vélez mit einem Preis ausgezeichnet

KERSTIN SCHWEIGHÖFER

Das Timing hätte besser nicht sein können: Während in Kopenhagen der Klimagipfel auf Hochtouren lief, wurde in Amsterdam erstmals ein Architekt mit dem mit 100 000 Euro dotierten "Großen Prinz-Claus-Preis" ausgezeichnet: der kolumbianische Architekt Simón Vélez, der mit seiner dauerhaften, Co2- reduzierenden Bambusarchitektur weltweit für Furore sorgt.

"Bambus ist natürlicher Stahl", pflegt der 60-Jährige zu sagen, was er auch schon in Deutschland auf der Weltausstellung Expo 2000 mit einer 14 Meter hohen Konstruktion aus Bambusstöcken unter Beweis gestellt hat. "Mit seinen ästhetischen und technischen Erneuerungen", so urteilte die Jury des Prinz- Claus-Fonds, "hat Vélez die Möglichkeiten von Bambus als Baumaterial erheblich vergrößert und herrschende architektonische Strömungen herausgefordert." Kulturelles und gesellschaftliches Engagement in nichtwestlichen Ländern zu unterstützen, das ist das Ziel des Prinz-Claus- Fonds. 1996 wurde er gegründet, als Geschenk der niederländischen Regierung an Prinzgemahl Claus zu dessen 70. Geburtstag.

Der in der Bevölkerung überaus beliebte, 2002 gestorbene Ehemann von Königin Beatrix hatte sich Zeit seines Lebens für internationale Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt: "Menschen lassen sich nicht entwickeln, das tun sie selbst", lautete sein Credo. Kultur, so betonte der gebürtige Deutsche, spiele dabei als Grundbedürfnis eine Schlüsselrolle.

Gemäß dieser Überzeugung förderte der Fonds in den letzten 14 Jahren mehr als 1000 Projekte in rund 100 Ländern und verlieh 150 Auszeichnungen. Neben dem Hauptpreis von 100 000 Euro werden jedes Jahr rund 150 Projekte unterstützt und zehn "kleine" Preise von je 25 000 Euro vergeben: 2009 unter anderem an den Chinesen Liang Shaoji für eine mit den Fäden von Seidenraupen umwobene Installation. Ausgezeichnet wurde zudem der Ghanese El Anatsui, der riesige Wandteppiche aus Altmetall produziert, die schon im Kunstpalast Düsseldorf zu sehen waren. Zu den skurrilsten der geförderten Projekte gehört sicher eine Publikation über Unterwäsche aus Syrien von Malu Halasa und Rana Salam.

Finanziert wird der Prinz- Claus-Fonds vom niederländischen Außenministerium, von der Postcodelotterie und von etlichen privaten Sponsoren. Das Budget liegt bei rund vier Millionen Euro pro Jahr.

Bildunterschrift:

Brücke vom preisgekrönten Architekten Simón Vélez in China - syrisches Unterwäsche-Buch von Malu Halasa und Rana Salam