Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 106-107
Ein Gotteshaus und seine Zeit
Von Petra Bosetti
VORSCHAU Vor 800 Jahren wurde in Magdeburg der Bau des ersten gotischen Doms in Deutschland begonnen. Anlass für eine Landesausstellung
Aufbruch in die Gotik Kulturhistorisches Museum Magdeburg, 31.8.-6.12.2009
ETRA BOSETTIDer Magdeburger Dom hat in seiner langen Geschichte schon einiges erlebt: Als der kaiserliche Feldherr Johann Tserclaes Graf von Tilly 1631 die Stadt im Dreißigjährigen Krieg belagerte, seine Söldner sie plünderten und unter der Bevölkerung ein Massaker anrichteten, flüchteten sich bis zu 4000 Menschen in den Dom - ein Kniefall des Dompredigers Reinhard Bake vor Tilly bewirkte, dass sie verschont blieben.
Die Stadt wurde zerstört, der Dom aber blieb weitgehend unbehelligt. Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Gebäudes durch Bomben zerstört, 1957 wurde es restauriert.
Der prächtige Bau, Nachfolger der zerstörten Grabkirche Ottos I., ist das erste Gotteshaus, das im damals neuen, aus Frankreich stammenden Stil der Gotik errichtet wurde.
Die Stadt Magdeburg nimmt das Jubiläum zum Anlass einer Ausstellung, die sich nicht nur mit der Geschichte des Doms beschäftigt, sondern die gesamte Epoche der Gotik zum Inhalt hat. Die Landesausstellung "Aufbruch in die Gotik" (Katalog: Verlag Philipp von Zabern, 69,90 Euro, ab Februar 2010 89,90 Euro) zeigt in verschiedenen Abteilungen, wie sich Wissenschaft, Kultur und alltägliches Leben jener Zeit gestaltet haben. Über 200 Objekte aus dem 13. Jahrhundert kamen aus Museen, Bibliotheken und Archiven in Europa und den USA.
Dazu gehört zum Beispiel ein kostbarer Altaraufsatz mit einer Kreuzigungsszene aus Goslar, ein bleierner Sarg, der die Gebeine von Editha, der Frau von Kaiser Otto dem Großen, enthalten soll. Zu sehen sind der "Sachsenspiegel", das berühmteste Rechtsbuch des Mittelalters, und die Weingartner Liederhandschrift von Walther von der Vogelweide, dem wohl berühmtesten Dichter des Mittelalters. In der Abteilung Architektur machen die ältesten erhaltenen Planzeichnungen und Miniaturen die technischen Innovationen nachvollziehbar.
Eines der Highlights stammt aus Magdeburg: der etwa lebensgroße "Magdeburger Reiter", das früheste freistehende Reiterdenkmal nördlich der Alpen. Es war einst bemalt, davon ist jedoch keine Spur mehr erhalten. Ganz anders eine Nachbildung, die seit 1966 auf dem Magdeburger Markt unter einem Baldachin steht: Die ist vergoldet. Noch bunter ist die Version des Plastikspielzeug-Herstellers Playmobil:
Die 7,5 Zentimeter hohe Figur trägt ein blaues Hemd zur roten Hose und wirbt in einer Auflage von 20 000 Stück für die Stadt Magdeburg.
Bildunterschrift:
Kreuzigungsszene aus dem so genannten Goslarer Retabel (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts)
