Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 117

"Regierung muss aufwachen"

Von Alain Bieber

DEBATTE Die Zweifel, dass der italienische Architekt Franco Stella die Teilnahmekriterien für den Stadtschloss-Wettbewerb nicht erfüllte, erhärten sich

Die Bundesregierung kommentiert Zeitungsartikel nicht." So lautet die lapidare Stellungsnahme der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die sich auf art-Berichte über die Stadtschloss- Affäre bezieht. Die alles entscheidene Frage bleibt damit noch immer unbeantwortet:

Waren im Zeitraum 2004 bis 2006 drei fest angestellte Architekten im Büro Stellas beschäftigt? Nach art- Informationen gab es, außer Michelangelo Zucchini, keine weiteren fest angestellten Architekten. Und damit hätte Stella die Teilnahmekriterien nicht erfüllt. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung schweigt zu den Vorwürfen beharrlich, auch auf die Rüge des Architekten Hans Kollhoff. Und es sieht ganz danach aus, als ob Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee diese peinliche Enthüllung gerne bis zur Bundestagswahl aussitzen würde. Die weiteren Preisträger (Christoph Mäckler, Kleihues + Kleihues, Hans Kollhoff, Eccheli e Campagnola und die Sonderpreisgewinner Kuehn Malvezzi) wittern jetzt bereits ihre zweite Chance: Denn falls Franco Stella wirklich disqualifiziert wird, könnte es zu einer erneuten Ausschreibung unter ihnen kommen. Der termingerechte Baubeginn für 2010 wäre dann aber auf jeden Fall geplatzt.

Bildunterschrift:

Der Rechtfertigungsdruck wächst - Franco Stella in Berlin