Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 116
Wirbel um doppelte Vögel
Von Kerstin Schweighfer
STREITFALL Hat der niederländische Cobra-Meister Karel Appel eines seiner Lieblingsbilder eigenhändig kopiert?
KERSTIN SCHWEIGHÖFERFür 300 000 Euro hatte der Amsterdamer Kunsthändler Nico Delaive gerade das Gemälde "L'Oiseau" des Cobra-Malers Karel Appel (1921 bis 2006) an einen Sammler verkauft.
Doch dann musste er feststellen, dass sein "Oiseau" gar nicht so einzigartig war: Im Groninger Museum hängt ein Doppelgänger mit dem Titel "Vogel" - nahezu identisch bis auf ein paar Details. So ist etwa das Hintergrundblau auf dem Groninger Bild gleichmäßiger aufgetragen. Delaive verstand die Welt nicht mehr - schließlich konnte er ein Echtheitszertifikat der Appel-Stiftung vorweisen.
Die Groninger mussten auf eine Fälschung hereingefallen sein. "Von wegen!", entrüstet sich der niederländische Zeichner René Windig. Sein Vater Ad war Fotograf und hatte den Groninger "Vogel" 1952 von Appel geschenkt bekommen. 1976 verkaufte ihn die Familie an das Museum. Windig geht davon aus, dass Appel das Bild eigenhändig kopiert hat, weil er sich nicht vom Original trennen wollte: Sein Vater hatte für den Künstler Werke fotografiert. Da Appel damals wenig Geld hatte, durfte der Fotograf sich als Bezahlung ein Bild aussuchen. Er entschied sich für den Vogel - doch den wollte Appel nicht rausrücken. "Wir gehen davon aus, dass er eine Kopie machte und die verschenkte", sagt Direktor Kees van Twist vom Groninger Museum. Um alle Zweifel auszuräumen, will er seinen "Vogel" nun genau untersuchen lassen.
Bildunterschrift:
Zweimal Karel Appel: oben das nach Beirut verkaufte Bild "L'Oiseau" von 1951 - unten das Groninger Werk "Vogel", ebenfalls 1951 datiert
