Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 106

Die Freiheit der Höhlenmalerei

Von Michael Kohler

VORSCHAU In drei Ausstellungen wird an den überraschend vielseitigen Einzelgänger Gerhard Hoehme erinnert, einen Virtuosen der abstrakten Kunst

Gerhard Hoehme Museum Küppersmühle/Lehmbruck-Museum/Museum Kunstpalast, Duisburg/Düsseldorf, 13.9-10.1.2010

Es gibt Maler, die ihren Stil verwalten wie Bürokraten, und solche, die mit dem einmal Erreichten nie zufrieden sind. Der deutsche Künstler Gerhard Hoehme (1920 bis 1989) gilt zwar allgemein als Vertreter des Informel, doch war er viel zu neugierig und unstet, um seinem Werk mit diesem Begriff gerecht zu werden. In frühen abstrakten Gemälden wie "Das wilde blaue Bild" (1956/57) hatte er die Energie der Farbe für sich entdeckt, diese aber bald schon wieder hinter sich gelassen, um sich nach der Freiheit der Höhlenmalerei zu sehnen.

Er begann, mit ungewöhnlichen Bildformaten zu experimentieren, weil er nicht länger ans klassische Rechteck gebunden bleiben wollte, ersetzte die Linie durch Bindfäden und Schnüre und ließ diese dann gelegentlich wie Batteriekabel oder Antennen aus der Leinwand wachsen. Später überzog er Schnittmuster aus dem Schneideratelier mit Silikonschläuchen und Draht, verfasste Sprachbilder aus Papiercollagen und war, wie seine Auseinandersetzung mit den eigenen Kriegserfahrungen belegt, auch dem Politischen nicht abgeneigt.

Zu Lebzeiten stand diese anhaltende Rastlosigkeit Hoehmes Rezeption immer etwas im Weg. Heute lässt sie sein Werk da für erstaunlich jung und ideenreich erscheinen.

An diesen Künstler erinnern nun gleich drei Museen in Duisburg und Düsseldorf. Das Museum Küppersmühle zeigt eine Werkschau mit rund 70 Arbeiten aus allen Schaffensphasen, im Wilhelm- Lehmbruck-Museum sind Hoehmes plastische Arbeiten aus eigenem Besitz zu sehen, und das Museum Kunst palast in Düsseldorf präsentiert etwa 80 Ar beiten auf Papier, die sowohl der eigenen Sammlung wie den Beständen der Gerhard-und-Margarete- Hoehme-Stiftung entstammen. Für alle drei Ausstellungen erscheint ein gemeinsamer Katalog (DuMont Buchverlag, 25 Euro, im Buchhandel 39,95 Euro).

Bildunterschrift:

Frühe Abstraktion:

"Das wilde blaue Bild" (170 x 120 cm), malte Gerhard Hoehme 1956/57