Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 96

Was bleibt vom Leben?

Von Dirk Schwarze

VORSCHAU Das "Museum of Contemporary African Art" des aus Benin stammenden Meschac Gaba ist in Kassel erstmals vollständig zu sehen

Meschac Gaba Kunsthalle Fridericianum, Kassel, 29.8.-15.11.2009

Es riecht nach Provokation: In der Rotunde der Kunsthalle Fridericianum stehen zwölf Aquarien, in denen die Gehirne jener Menschen schwimmen, die für Meschac Gaba (Jahrgang 1961) zu den großen Geistern der Menschheit gehören - Jesus und Marx, Gandhi und Pasteur, Harald Szeemann und Marcel Broodthaers. Der gebürtige Beniner spielt mit dieser neuen Arbeit auf die Absurditäten des Kunstmarkts (die eingelegten Tiere eines Damien Hirst) ebenso an wie auf die Erinnerungsarbeit der Ruhmeshallen und Museen.

Wie Broodthaers denkt Gaba intensiv über die Rolle des Museums, des Objekts und des Kunstmarkts nach, indem er seit 1997 an seinem "Museum of Contemporary African Art" arbeitet - zwölf Räume für verschiedene Institutionen. Nun kann Kunsthallendirektor Rein Wolfs erstmals das komplette Museum vorstellen. Darin verknüpft Gaba Reliquien des alltäglichen Lebens mit Handwerklichem und Künstlerischem. Im "Marriage Room" sind Bilder und Relikte seiner eigenen Hochzeit zu sehen, und im "Game Room" fordern Spieltische die Besucher heraus.

Zwangsläufig landet man bei den Fragen:

Was bleibt vom Leben, wie verwandeln sich die Dinge in Kunst? Dabei wendet sich der Konzeptkünstler auch immer wieder den Realitäten Afrikas zu, indem er bewusst macht, wie stark dieser Kontinent auf das Re cycling von Wegwerfprodukten angewiesen ist. So geht es auch stets um Geld und den Wa rencharakter von Kunst.

Bildunterschrift:

Der Museumsshop des "Museum of Contemporary African Art", Biennale São Paulo (2006)