Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 102

Tragisch oder zum Totlachen?

Von Sandra Danicke

VORSCHAU Der schottische Zeichner David Shrigley erfindet Albernes, Unprätenziöses und Abgründiges

David Shrigley Kunsthalle, Mainz, 22.8-8.11.2009

Kopffüßler werden in seinen Bildern von Pistolen bedroht, und geometrische Grundformen müssen sich gemeine Beschimpfungen gefallen lassen. Menschliche Wesen sind bei ihm stets auf so anrührende Weise missgestaltet, dass man nie genau weiß, ob sie die ganze Tragik des Menschseins zum Ausdruck bringen oder einfach nur zum Totlachen sind. David Shrigley, der in Mainz seine erste umfangreiche Einzelschau in Deutschland zeigt, ist ein Meister des Unprätenziösen, seine Kritzelzeichnungen fertigt der Schotte, der sich von Graffiti ebenso inspirieren lässt wie von gefundenen Einkaufszetteln, mit leichter Hand (art 1/2007). Ihm ist auch kein Bildträger zu profan, ob Salz- und Pfefferstreuer, Kaffeetasse oder - wie zuletzt - eine Skateboardrampe in Malmö. Der Schriftsteller Will Self hat es einmal so formuliert: Nachdem man eine große Zahl dieser Zeichnungen gesehen habe, scheine keine andere Realität mehr zu existieren als die von Shrig ley beschriebene:

"Riesige mürrische Hunde streunen durch die Gegend und verbieten dir, ihren Deostift zu benutzen."

Weitere Fotos zur Ausstellung finden Sie unter: www.art-magazin.de/shrigley

Bildunterschrift:

Monotypie ohne Titel (2008, 100 x 70 cm)