Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 95

Dubiose Politparolen

Von Sandra Danicke

KRITIK In Frankfurt/Main stellt sich der neue Kunstvereinsleiter mit einer Ausstellung zur Inhaltslosigkeit politischer Slogans und Mitmachappelle vor

Gemeinsam in die Zukunft Frankfurter Kunstverein, 10.7- 4.10.2009

Mit dir mache ich, was ich mit den Klitschko-Brüdern machen wollte.

Aber die haben sich ja in die Hose geschissen und sind weggelaufen." Derlei wüste Drohungen muss sich der Besucher des Kunstvereins schon vor der Eingangstür anhören: Ulrich Diekmann und Christian Appelt haben einen vor sich hinschimpfenden Außenseiter durch eine Milchglasscheibe gefilmt. Im Inneren der Ausstellung begegnen wir dann einem von Bjørn Melhus gespielten Fernsehprediger, der den Zuschauer per Videoinstallation mit beängstigender Inbrunst zum Weinen auffordert.

Und wir treffen auf Effie Wu, die für ihr Video "Super Smile" ihr Gegenüber auf derart penetrante Weise anlächelt, dass man sich regelrecht belästigt fühlt.

Dubios-suggestive Appelle zum Mitmachen und Dabeisein sind das Thema der ersten Ausstellung des neuen Kunstvereinsleiters Holger Kube Ventura, der nach nur knapp dreimonatiger Vorbereitungszeit zum deutschen Superwahljahr Werke zeigt, die sich mit austauschbaren Slogans und Parolen beschäftigen. Meistens geht es natürlich um Politik. So präsentieren Martin Conrath und Marion Kreißler zum Beispiel nicht nur Unmengen von Wahlplakaten als Miniaturausdrucke, sie haben auch Wahlkampfsprüche wie "Wir sind bereit" oder "Zukunft wagen" isoliert, die einen aufgrund ihrer Inhaltslosigkeit ratlos zurücklassen.

Die gewonnene Erkenntnis ist freilich nicht ganz neu. Wie überhaupt manches in der Schau ein wenig bieder oder plakativ anmutet. Etwa Johanna Kandls Kombinationen von Wirtschaftsslogans wie "The world is ready for leadership" oder "Jede Frau hat das Zeug zur Millionärin" mit abgemalten Schnappschüssen, die eine alte Gemüsehändlerin in Georgien oder einen polni schen Straßenmarkt zeigen.

Auch das Projekt "YouPrompt" von Catrine und Olaf Val, bei dem der Besucher die Dankesreden Prominenter als Karaoke nachspielen kann, erschöpft sich im oberflächlichen Gag.

Bildunterschrift:

Rudolf Herz' Installation "Wir bin ich nicht" (2009) im Treppenhaus des Kunstvereins