Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 92-94

Ikonen der Banalität

Von Susanne Altmann

VORSCHAU Der Künstler Wilhelm Sasnal gilt inzwischen als ein Klassiker der neuen polnischen Malerei

Wilhelm Sasnal K21, Düsseldorf, 5.9.-10.1.2010

Seinen eigenen Bauch von unten gesehen malte er monumental und eine Waldlandschaft dagegen ganz winzig. Ein defekter Computer wird ihm zum Motiv genauso wie verschmierte Butter auf einer Fläche. Dem Polen Wilhelm Sasnal (Jahrgang 1972) ist kein Thema zu unwichtig und keines zu groß. Politische und historische Referenzen versteckt er gern in seinen Titeln, während das Bild lediglich verwaschene Figuren oder abstrakte Ornamente zeigt. Wie in einem Bildatlas hat er in den letzten zehn Jahren rund 500 Werke geschaffen, eine Auswahl davon zeigt jetzt eine Retrospektive in Düsseldorf (Katalog:

Prestel Verlag, 29,90 Euro).

Es sind , des Konsums und des Intimlebens. Das klingt nach einer Pop Art des 21. Jahrhunderts, doch dafür sind die Gemälde oft zu flüchtig und ihre Stimmung bisweilen zu tiefgründig. Es fällt schwer, sie in eine Kategorie zu pressen, ebenso schwer, wie der Ursache von Sasnals Erfolg auf die Spur zu kommen. Vor sechs Jahren noch gehörte er mit seinen Krakauer Exkommilitonen Rafal Bujnowski und Marcin Maciejowski zu den Hoffnungsträgern der jungen polnischen Malkunst.

Mittlerweile haben jüngere Kollegen die Rebellenrolle übernommen, und Sasnal gilt als Klassiker, der in einem Atemzug mit Luc Tuymans oder sogar mit Gerhard Richter genannt wird.

"Man konnte schon damals sein magisches Talent sehen. Er erfand malerische Metaphern für die polnische Geschichte, anfangs noch als Comics", sagt Joanna Mytkowska, heute Direktorin des neuen Warschauer Museums für Gegenwartskunst.

Sie präsentierte Sasnal bereits 2001, als Malerei noch weit unpopulärer war als heute. Damals zeigte sie überwiegend Foto grafien und Filme. Neben seinen fragmentarischen, stillen Bildfolgen entstehen nach wie vor bewegte Bilder.

Sasnals neuester Film "Swineherd" - ba sierend auf Hans Christian Andersens Märchen "Der Schweinehirte" - wird parallel zur Ausstellung erstmals in Deutschland aufgeführt. In Schwarzweiß gehalten, entwickelt sich eine ländliche Dreiecksgeschichte im Polen der Nachkriegszeit.

Immer wieder, sei es beim Thema oder in der unspektakulären Ästhetik, verschränken sich die filmischen und malerischen Motive des obsessiven Bildproduzenten Sasnal.

Bildunterschrift:

Malerische Metaphern: ohne Titel (40 x 50 cm) aus dem Jahr 2007

"Shoah (Wald)", 2002, 40 x 40 cm