Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 122
"Das ist einfach Lust am Neuen"
Von Michael Kohler
FILMKUNST Im September kommt Harun Farockis Film "Zum Vergleich" in die Kinos. Ab 31. Oktober zeigt das Museum Ludwig in Köln seine Arbeiten
art: Sie haben so unterschiedliche Bildwelten wie historische Kinofilme oder Aufnahmen von Überwachungskameras untersucht. Was hofften Sie, dabei zu finden?
Farocki: Bei den Überwachungsbildern hat mich deren merkwürdige Ästhetik interessiert. Sobald man nicht "Boy meets Girl" zum Thema hat, werden eben die Untergattungen interessant.
Mich haben immer die neuen Bildtypen fasziniert. Im Augenblick ist das die Computeranimation, bei der ich mich frage, ob sie sich gerade zur dominanten Bildkategorie entwickelt. Das ist einfach Lust am Neuen.
Sie sind Filmemacher, aber häufiger auch in Museen vertreten ...
Das hat sich von selbst ergeben.
Bei diesem eigentlich unbeabsichtigten Wechsel sind mir dann bestimmte Dinge angenehm aufgefallen:
Im Kunstkontext muss man sich nicht ständig einpassen und weniger im Voraus erklären.
Wenn man Filmförderung bekommen will, muss man ja immer so tun, als würde man den Film schon auswendig kennen.
Inwiefern hat Ihre Arbeitsweise sich denn geändert?
Ich mache jetzt mehr Installationen, aber vor allem muss ich jetzt viele Ideen zugleich im Kopf behalten. In der Kunstwelt ergeben sich die Produktionsgelegenheiten so zufällig, mal steht ein Jubiläum an, mal gibt es eine Ausstellung.
Ich sehe zu, ob das, was ich machen will, da irgendwie reinpasst.
In Ihrem neuen Film "Zum Vergleich" geht es um Produktionsweisen am Beispiel des Ziegelsteins ...
Unser Verhältnis zur Arbeit können wir an dem messen, was wir woanders sehen. Der Ziegelstein ist im Laufe der Zeit weitgehend gleich geblieben. Trotzdem hängt die Arbeit mit ihm von sozialen Formen ab. In Industrienationen werden die Steine am Bau durch Kräne befördert. In Indien ist Arbeitskraft so billig, dass die Steine von Frauen auf dem Kopf getragen werden.
Termin: "Harun Farocki", 31. Oktober bis 7. März 2010, Museum Ludwig, Köln
Bildunterschrift:
Szenen aus Harun Farockis Film "Zum Vergleich", der ab 3. September in die Kinos kommt
Harun Farocki
