Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 121

"Insel der Hochkultur"

Von Heinz Peter Schwerfel

STADTPLANUNG Der Architekt Jean Nouvel will die Pariser Seine- Insel Seguin in einen futuristischen Kunstort verwandeln

Multiplexkinos, ein kleiner Konzertsaal für Klassik und ein großer für Musicals, eine Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst, private Galerien, ein Luxushotel, eine Residenz mit Künstlerateliers sowie ein spektakulärer Park, vom Landschaftsarchitekten Michel Devignes entworfen, sollen das Zentrum der Insel bilden: Pritzker-Preisträger Jean Nouvel übernimmt die vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy verkündete Umwandlung des ehemaligen Standorts der Renault-Werke, der elf Hektar großen Ile Seguin, in eine "Insel der Hochkultur ". Architektonische Details sind noch nicht publik, doch setzte sich Nouvels Masterplan im Wettbewerb gegen Konkurrenten wie Nicolas Michelin, Rem Kolhaas oder das Rotterdamer Büro MVRDV durch. Die französischen Grünen bedauern die Entscheidung für Nouvel, der in den Neunzigern noch gegen den Abriss der Renault-Werke als "Gedächtnis der Arbeiterklasse" protestiert hatte und jetzt "Baumeister der Präsidenten" geworden sei. Nouvel hat für François Mitterrand das Institut du Monde Arabe und für Jacques Chirac das Völkerkundemuseum am Quai Branly gebaut.

Nun ist die Bebauung der Ile Seguin Chefsache von Präsident Sarkozy.

Die kulturelle Nutzung der Insel wurde heiß diskutiert, und diverse Bebauungspläne wurden verworfen seit dem Rückzug des Sammlers François Pinault, der dort von Tadao Ando sein Privatmuseum bauen lassen wollte.

Die Ile Seguin gehört einer Besitzergemeinschaft, zu der Staat, Gemeinde, Privatinvestoren und auch die Firma Renault zählen. Diese könnte dort die Sammlung ihrer Kunststiftung unterbringen, während das Kulturministerium die Finanzierung der Kunsthalle garantieren soll.

Bildunterschrift:

Elf Hektar für Kultur: 2015 soll die Insel Seguin das neue Pariser Kunstzentrum werden