Ausgabe: 09 / 2009
Seite: 120

Ach, ihr Gartenzwerge!

Von Thomas Wagner

GLOSSE Heilende Provokation oder hohle Geste? Der Hitlergruß in der Kunst bei Ottmar Hörl, Anselm Kiefer und Jonathan Meese

Sollen wir sagen, wir hätten uns erschrocken? Ach was! Der deutsche Gartenzwerg, als Vorgartenhüter vom Aussterben bedroht, migriert samt Klischee in die Kunst. Also hat der für farbenfrohes Klonen unschuldiger Tiere - Dürerhasen oder nach Athen getragene Eulen - bekannte Ottmar Hörl nicht ein, zwei, nein 700 Gnome fabriziert, den Arm zum Hitlergruß emporgereckt. Auch wenn nun kein Richter klären wird, ob mit der traurigen Zwergleinparade "verfassungswidrige Organisationen kritisiert werden", oder, wie Hörl meint, der deutsche "Herrenmensch" persifliert wird, als Kunst sind die Männlein allzu billig. Indes, das Spiel mit dem Arm spielen auch andere.

Anselm Kiefer immerhin schon 1969, um herauszufinden, ob Kunst nach dem Faschismus überhaupt noch möglich ist. Auf einer Reise durch Europa posierte er immer wieder mit zum Hitlergruß erhobener Hand. Wie er da so steht, in der Brandung des Mittelmeers oder auf braunem Grund, daneben ein zerschossener Himmel, fröstelt es einen.

Da will einer das Grau en begreifen, keine Faxen machen. Dafür haben wir den Erzkünstler Jonathan Meese mit seinen Performances.

"Adolf-Firlefanz" macht sich gut, wenn man als Baby-Chef die Diktatoren in die Bedeutungslosigkeit entlassen, selbst aber eine "Diktatur der Kunst" errichten will. "Was soll sich", hören wir Hans Arp aus der Ferne rufen, "der Menschenverstand, so er intakt ist, dazu denken?" Diktatoren demolieren ist okay. Ein spastischer Arm ist aber nicht das "Ei des Columbussy". Der tägliche Faschismus ist kein Arm-Problem, er wohnt anderswo. "Rumsdiebums, vergißmeinnicht" reicht nicht. Da folgen wir lieber Quentin Tarantinos "Basterds" oder gehen mit Walter Moers in den "Bonker".

Bildunterschrift:

Jonathan Meese bei einer Performance und der Hörl-Gartenzwerg mit Führergruß