Ausgabe: 08 / 2009
Seite: 86
Aktfotos über der Kommode
Von Adrienne Braun
VORSCHAU Eine Ausstellung an der Schnittstelle zwischen Design und Kunst - im Mittelpunkt steht die "Loge de comédienne" der französischen Designerin Janette Laverrière
"Entre deux actes - Loge de comédienne" Kunsthalle Baden-Baden 25.7.-11.10.2009
Möbel sind zur Benutzung gedacht.
Nur nicht in der Kunsthalle Baden- Baden. In der Ausstellung "Entre deux actes - Loge de comédienne" werden Möbelstücke und Interieurs gezeigt, die alles andere als alltagstauglich sind. Zum Beispiel Schrank und Hocker von Peter Fischli und David Weiss, die sich zwar als solche erkennen lassen, aber aus schwarzem Gummi gegossen wurden. Oder eine "Laterne" (1990) von Martin Kippenberger, die aus der Wand herauszuwachsen scheint.
Um die Schnittstelle zwischen Kunst und Design geht es Karola Kraus und David Riedel, die die Ausstellung konzipiert haben.
"Aber es geht nicht darum, dass sich Künstler als Designer betätigen", sagt Riedel, "sondern eine eigene Formensprache in Möbeln ausdrücken." Kurz: Es geht um Möbel, die eben nicht mehr funktional, sondern autonome Kunstwerke sind.
Herzstück der Ausstellung ist eine Künstlergarderobe, eine luxuriös ausgestattete "Loge de comédienne", die die französische Designerin Janette Laverrière, geboren 1909, für eine Möbelmesse 1947 entwarf und die für Baden-Baden nachgebaut wurde. Den Raum mit Schminkkommode, Tisch und Regal hat wiederum Nairy Baghramian für künstlerische Eingriffe genutzt: Sie hat Aktfotos des italienischen Designers Carlo Mollino aufgehängt, die er mit der Polaroidkamera gemacht hatte.
Zwischen Funktion und Fiktion bewegt sich auch der Raum, den Marc Camille Chaimowicz gestaltet. Er trägt seit 2003 Möbelstücke und Objekte zusammen, die der Autor Jean Cocteau in seinem Zimmerchen in Paris besessen haben könnte - "eine Vermischung zwischen Kunst und Leben", sagt Riedel. Die Ausstellung beginnt bei der Pop Art und Claes Oldenburgs fiktiver Garderobe für Marilyn Monroe und endet im wahren Leben: im Café der Kunsthalle.
Tobias Rehberger wird sie neu gestalten - als Dependance seiner futuristischen Cafeteria, die er für die Biennale von Venedig entworfen hat. Franz West wiederum, von dem schon jetzt die Stühle der Cafeteria stammen, steuert zur Ausstellung Tische aus massiven Edelhölzern bei, die so groß und sperrig sind, dass sie sich kaum benutzen lassen.
Bildunterschrift:
Martin Kippenbergers "Kippenblinky" (Holz, Metall, Giesharz, Rauchutensilien) von 1991
Janette Laverrière: "Entre deux actes, Loge de comédienne" aus dem Jahr 1947
