Ausgabe: 08 / 2009
Seite: 6

Biennale statt Bundeswehr

Von

BETR. ART

Die zeitgenössische Kunst hält sich viel darauf zugute, irritierend und aufwühlend zu sein. Der Leipziger Fotograf Jörg Gläscher, der den Biennale- Bericht für dieses Heft fotografierte, war für das verstörende Potenzial der Weltkunst jedoch nicht besonders empfänglich: "Eine reine Erholung ist das hier", seufzte er kurz nach der Ankunft im sommerlichen Venedig. Kein Wunder: Gläscher, 43, verbringt seine Arbeitszeit normalerweise weniger in wohltemperierten Ausstellungsräumen, als zum Beispiel auf Bundeswehrfregatten, die im Golf von Aden Piraten jagen. Der Schüler des legendären Leipziger Fotografie-Professors Timm Rautert arbeitet seit dem Jahr 2000 als Reportagefotograf für Magazine wie den "Stern", "Geo Saison" und "Brigitte".

In den letzten Jahren begleitete er mehrfach die Bundeswehr bei ihren Einsätzen, eine Woche vor dem Venedigbesuch war er noch im Kosovo, um die spannungsvolle Routine des militärischen Alltags für den "Stern" zu dokumentieren.

Jetzt an der Lagune genoss er die spielerische Leichtigkeit, die speziell Daniel Birnbaums Ausstellung "Welten machen" im Arsenale und dem Palazzo delle Esposizioni beherrschte. "Es ist gerade für einen Reportagefotografen gut, den Kopf hin und wieder mit Kunst neu aufzuladen", sagte Gläscher.

Eine Woche lang war er in Venedig unterwegs, um die immer noch wichtigste Biennale der Welt zu fotografieren - sein Fotobericht und die Kritiken der art-Redaktion beginnen auf Seite 20.

Bildunterschrift:

Jörg Gläscher in Venedig