Ausgabe: 08 / 2009
Seite: 109
Gescheitert
Von Kito Nedo
KOMMENTAR Kaum ein Jahr ist vorüber, da steht die Initiative Temporäre Kunsthalle Berlin vor einem Scherbenhaufen
Die Misere der auf zwei Jahre angelegten Institution wurde bereits offenbar, als Constanze Kleiner - neben Coco Kühn eine der beiden Ideengeberinnen des Unternehmens - im April ihren Geschäftsführerposten räumen musste (art 6/2009). Ihre Wahl bezeichnete der Kunsthallen-Mäzen Dieter Rosenkranz, mit seiner Stiftung "Zukunft Berlin" der Hauptgeldgeber, ganz uncharmant als "Fehlentscheidung".
Doch auch mit dem Publizisten und Künstler Thomas W. Eller, der vom Kunstmarktportal "artnet" zur Kunst halle gewechselt war, lief es nicht optimal: Jetzt hat auch er Abschied genommen. Kurz nach Ellers Abgang distanzierte sich überdies der künstlerische Beirat, bestehend aus Katja Blomberg (Haus am Waldsee Berlin), Julian Heynen (K21 Düsseldorf), Dirk Luckow (Kunsthalle Kiel) und Gerald Matt (Kunsthalle Wien), von der Initiative. Ein harter Schlag.
Denn die vier hatten für die Kunsthalle am Schlossplatz in kurzer Zeit erstklassige Ausstellungen realisiert.
Wie es nun weitergeht, das bleibt das Geheimnis von Dieter Rosenkranz. Die Geschäfte soll fortan der in Kunstkreisen unbekannte Betriebswirt Benjamin Anders führen, der Posten eines künstlerischen Leiters bleibt unbesetzt. Mit Gruppenausstellungen und freiem Eintritt hofft Rosenkranz doch noch Publikum in den blauen Kasten zu locken. Eines aber ist sicher: Die Sympathien der hauptstädtischen Kunstszene für das Projekt sind längst großer Skepsis und Desinteresse gewichen.
Bildunterschrift: art-Korrespondent
