Ausgabe: 08 / 2009
Seite: 113
Goldig
Von Till Briegleb
Bei Baumeistern und Bauherren ist Gold wieder gefragt
ARCHITEKTURKOLUMNE
In der modernen Architektur der letzten 100 Jahre war das Gegenteil von "schön" nicht "hässlich", sondern Gold.
Gold waren Zwiebeltürme von Friedensreich Hundertwasser, protzige Wohn- und Kirchenbauten im neuen Russland oder Orgien der Postmoderne wie Alessandro Mendinis Groninger Museum.
Seit Scheichs, Rapper und italienische Ministerpräsidenten Protz gesellschaftsfähig gemacht haben, verliert das Tabu des modernen Ästheten an Kraft.
Designer Marcel Wanders rebellierte mit Lampenständern aus vergrößerten, vergoldeten Nasenpopeln oder Jaime Hayón mit Josephine-Lüstern gegen die Geschmackspolizei.
Mit Verzögerung reagiert die Architektur. Eine windschiefe goldene Bibliothek in Luckenwalde, goldene Wellengebirge in Modena und Shanghai zeigen, das Fassadengold von Architekten nicht nur als Hautausschlag krankhafter Eitelkeit betrachtet wird.
Doch ist die neue keit nur dort erträglich, wo sie spöttisch zu Werke geht.
Als ernst gemeinte Kostümierung von reichem Selbstbewusstsein wird sie hoffentlich auch in den nächsten 100 Jahren eine Todsünde der Moderne bleiben.
Bildunterschrift: art-Autor
Goldene Bibliothek in Luckenwalde von den Berliner ff-Architekten
