Ausgabe: 08 / 2009
Seite: 104-105

"So langsam müsste da doch ein erotisches Knistern entstehen"

Von Michael Kohler

INTERVIEW Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Olaf Zimmermann über die bundesweite Ausstrahlung und Beachtung der Kulturhauptstadt Ruhr 2010

Warum sorgen Sie sich um die Kulturhauptstadt?

Zimmermann: Essen und das Ruhrgebiet haben mit Istanbul einen bedeutenden Konkurrenten um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt.

Schon deswegen muss man sich genau überlegen, wie man das Interesse Europas an deutscher Kultur weckt. Die Frage ist: Haben die Menschen größere Lust, nach Istanbul oder ins Ruhrgebiet zu fahren? Dazu ist es notwendig, eine nationale Debatte anzustoßen.

Wie soll die Debatte aussehen?

Essen muss sich stärker präsentieren und deutlich machen, was es plant. Es reicht nicht aus, auf der Berliner Tourismusmesse vorbeizuschauen, so langsam müsste da doch ein erotisches Knistern entstehen, das zeigt, im Ruhrgebiet passiert etwas ganz Besonderes. Ich möchte mit dem Gefühl ins nächste Jahr gehen, dass ganz Europa auf Essen schaut.

Wie schätzen Sie die finanziellen Probleme ein?

Man muss deutlich daran erinnern, dass Essen bei der nationalen Ausscheidung auch deshalb den Zuschlag erhalten hat, weil sich große Unternehmen für die Finanzierung verbürgt haben. In dieser Verantwortung, die öffentliche Hand zu unterstützen, sehe ich diese Konzerne weiterhin.

Glauben Sie, dass Essen die Kurve noch bekommt?

Essen bekommt die Kurve, aber wir müssen alle gemeinsam etwas dafür tun. Wir müssen zeigen: Das Ruhrgebiet ist nicht nur die Kulturhauptstadt Nordrhein-Westfalens, sondern ein Schaufenster, in dem wir uns ein Jahr lang dem europäischen Ausland präsentieren.

Bildunterschrift:

Als Spielort der Kulturhauptstadt eingeplant: die Zeche Zollverein in Essen

Entwurf von Tobias Rehberger: Brücke am Oberhausener Kaisergarten

Die Zitadelle auf der Halde Lohberg soll ab 2010 leuchten

Geplant für die Emscher-Insel: "Walking House" von N 55