Ausgabe: 08 / 2009
Seite: 104
Kulturhauptstadt Ruhr 2010: Es wird knapp
Von Michael Kohler
GROSSPROJEKT In wenigen Monaten soll das Projekt europäische Kulturhauptstadt Ruhr beginnen, doch es fehlt an Geld, Engagement und Begeisterung
Der Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2010 wird für Essen und das Ruhrgebiet steiniger als gedacht. Den Organisatoren fehlen noch immer vier Millionen Euro im mit 65,5 Millionen Euro ohnehin knapp kalkulierten Etat.
Im Vergleich: Istanbul, ebenfalls europäische Kulturhauptstadt 2010, stehen 140 bis 180 Millionen Euro für das Programm zur Verfügung.
Als Konsequenz wurden im Ruhrgebiet erste Projekte schon abgesagt.
So findet die große Eröffnungsfeier zum Kulturhauptstadtjahr, die in der Arena auf Schalke in Gelsenkirchen geplant war, nicht statt. Auch die Ausstellung "Welt der Religionen", die im alten Gasometer von Oberhausen gezeigt werden sollte, fiel dem Rotstift zum Opfer. Unsicher ist bislang, ob die Schau "Zweite Stadt/Ewigkeiten" realisiert werden kann. Dabei ist vorgesehen, unter Tage in einem Bergbauschacht auf der Zeche Zollverein in Essen internationale Lichtkunst zu präsentieren.
Finanziell ebenfalls noch nicht komplett gesichert ist zudem das Projekt "Schacht- Zeichen", bei dem bis zu 400 ehemalige Schächte im Revier durch riesige, in rund 80 Meter Höhe schwebende Ballone markiert werden sollen. Bislang sind aber erst für 200 Schächte entsprechende finanzielle Mittel vorhanden.
Die schwierige Finanzlage der Ruhr.2010 GmbH ist trotz internationaler Wirtschaftskrise auch hausgemacht.
Die regionalen Konzerne haben sich von Anfang an zur Kulturhauptstadt "Essen für das Ruhrgebiet" bekannt und stehen finanziell keinesfalls schlecht da. Doch waren bis vor kurzem offenbar die wenigsten Unternehmen bereit, in einen gemeinsamen Topf zu investieren - was nicht nur ein schlechtes Licht auf das immer wieder viel beschworene Gemeinschaftsgefühl des Ruhrgebiets wirft, sondern auch nicht gerade für erstklassige Sponsorenpflege des vierköpfigen Programmdirektorenteams spricht.
Lediglich 14 Millionen Euro konnten für die Kulturhauptstadt in der freien Wirtschaft akquiriert werden, darunter 8,5 Millionen Euro, die der Initiativkreis Ruhr, ein Zusammenschluss von im Ruhrgebiet ansässigen Großkonzernen, allerdings nur bei günstiger ökonomischer Entwicklung zuschießen will.
