Ausgabe: 07 / 2009
Seite: 114
Eine eigene, stille Magie
Von Petra Bosetti
VORSCHAU Seine Gemälde vereinen impressionistische Lichtmalerei mit symbolistischer Bildsprache - doch ist der Franzose hierzulande kaum bekannt
Henri Le Sidaner - Ein magischer Impressionist Kunstsammlungen Chemnitz 7.6.-2.8.2009
Zu Lebzeiten war der französische Maler Henri Le Sidaner populär. Marcel Proust lässt in seinem epochalen Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" Gäste eines Hotels über die aktuelle Kunst diskutieren.
Während eine Madame Legrandin Claude Monet für "ein Genie" hält, beharrt ein "berühmter Rechtsanwalt aus geadelter Familie" darauf: "Sie werden mir gleichwohl gestatten, ihm Le Sidaner noch vorzuziehen." Nicht einmal so viel Erwähnung ist Le Sidaner (1862 bis 1939) den meisten Kunsthistorikern von heute wert. Kaum ein Band zum Thema Impressionismus oder Symbolismus - Le Sidaner war in beiden Kunstrichtungen zu Hause - erwähnt seinen Namen oder zeigt seine Werke. Zu Unrecht, wie Kuratorin Karin Sagner von den Kunstsammlungen Chemnitz meint. "Le Sidaner erweiterte die Lichtmalerei des Impressionismus durch einen magisch-poetischen Aspekt und stand zugleich dem Symbolismus nahe", schreibt sie im Katalog der Ausstellung (22 Euro), die den großen Unbekannten des Impressionismus aus dem Dunkel der Vergangenheit befreien soll.
Henri Le Sidaner wurde 1862 auf Mauritius geboren. Er studierte ab 1882 für kurze Zeit an der Pariser École nationale des Beaux-Arts. War es zunächst der Impressionismus, der ihn faszinierte, so schloss er sich in den 1890er Jahren den Symbolisten an.
Beide Richtungen finden in seinen Bildern zu einer stimmigen, sehr persönlichen Synthese.
Seine Gemälde von sonnendurchfluteten Gärten, von strahlenden Kathedralen oder dem gleißenden Licht Venedigs weisen ihn als ausgezeichneten Vertreter impressionistischer Malerei aus. Aber eine wahre Offenbarung sind die stillen, in gedämpften Farben gehaltenen Ansichten von einsamen Häusern, die ruhigen Menschendarstellungen - da entfaltet Le Sidaners Kunst eine ganz eigene stille Magie. Mehr Abbildungen zur Ausstellung finden Sie unter: www.art-magazin.de/sidaner
Bildunterschrift:
Ansichten von einsamen Häusern: "La Place de Petit-Fort-Philippe" (1902, 59 x 80 cm) von Henri Le Sidaner
"Porträt von Louis Le Sidaner, Beauvais 1900", (38 x 29 cm), Kreidezeichnung
