Ausgabe: 07 / 2009
Seite: 112-113

Kap der guten Hoffnung

Von Birgit Sonna

KRITIK Mit Spannung erwartet, mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Die Eröffnungsausstellung im Neubau auf dem Pinakothekenareal bezieht ihren Reiz vor allem aus Kontrast-Effekten

Sammlung Brandhorst Museum Brandhorst München

Eigentlich ist es ein einziger rauschhafter Festakt für den nunmehr 81-jährigen Cy Twombly. Als das neue Museum Brandhorst auf dem Münchner Pinakothekenareal im Mai eröffnete, bekam man in der Beletage des Neubaus von Sauerbruch Hutton erstmals die volle Breitseite seiner vergänglichkeitssüchtigen Kunst zu spüren.

So opulent ist der Wahlitaliener mit schwerelosen Bildnotaten, dem berühmten "Lepanto"- Zyklus (2001), seinem Spätwerk aus zyklamroten Blumenbildern und weiß patinierten Bronzen vertreten, dass man sich die Augen reibt. Und es ist längst noch nicht alles ausgepackt.

Andy Warhol, der zweite Protagonist in der Brandhorstschen Kunstfamilie, fällt durch qualitativ stark schwankende Arbeiten auf. Insgesamt bezieht dieses vom Freistaat Bayern finanzierte Stiftermuseum seinen Reiz aus Kontrasteffekten. Aus aseptischen Arbeiten, die wie der auf Hochglanz polierte Pillenschrank von Damien Hirst von der Anspielung auf das körperliche Versehrtsein leben. Oder lautstarken Gesten, die wie Bruce Naumans grotesker Neonleuchtclown zugleich die Lächerlichkeit der menschlichen Existenz bloßstellen.

Was für ein Gefühl aber ist es für Udo Brandhorst, jetzt Herr über ein eigenes Museum in direkter Nachbarschaft der ehrwürdigen Pinakotheken zu sein? "Auf jeden Fall ein sehr gutes Gefühl", antwortet der Stifter lapidar. "Aber ein eigenes Museum ist es natürlich nicht. Es ist ein Haus für die Öffentlichkeit und so gesehen auch ein Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen." Kleinlaut unter der massiven Eichentreppe des Museums versteckt wurden zwei albern mit den Warholschen Celebrity- Porträts kokettierende Fotoinszenierungen von David LaChapelle. Man konnte es nicht ganz lassen, den schon im Vorfeld angefochtenen US-Modefotografen zum Auftakt zu zeigen. Davon abgesehen sind eine Reihe sich gut behauptender Highlights auszumachen - Franz Wests skulpturale Wurstschlachtschüssel "Das Fragile an seiner Kloake" von 2007 etwa. Überhaupt gibt es vorerst keinen Anlass zur Sorge, dass die Sammlung (Katalog: Prestel Verlag, 29 Euro, im Buchhandel 59,95 Euro) einen falschen Kurs in die Zukunft einschlagen könnte. In Isaac Juliens famosem Video "Western Union" (2007) geht die Reise zumindest schon mal an ein imaginäres - ein Choral an schwermütig getönten Bildsequenzen, die das oft zur Emigration genötigte Leben in Afrika heraufbeschwören. Mehr Bilder der Ausstellung finden Sie unter: www.art-magazin.de/brandhorst

Bildunterschrift:

Werke von Andy Warhol, Eichentreppe, unter der sich Fotoinszenierungen von David LaChapelle verstecken