Ausgabe: 07 / 2009
Seite: 134

Fehler der Vergangenheit

Von Claudia Herstatt

MUSEUM An der Place Royale in Brüssel wurde mit royaler Geste das neue Magritte-Museum eröffnet. Doch was sich als nationales Ereignis mit garantiert publikumswirksamer Dauerausstellung von rund 200 Werken feiert, kommt reichlich spät

Vor 42 Jahren ist der belgische Surrealist René Magritte gestorben.

Seine Witwe Georgette hat ihn um 19 Jahre in dem unverändert belassenen gutbürgerlichen Haus in der Rue des Mimosas 97 überlebt. Da hingen Schlüsselbilder wie "Der Kieselstein", die "Schwarze Magie" und die "Domäne von Arnheim" über dem zartgrünen Sofa im Stil Napoleons III. So verrückt der Maler seine Gedankenwelten auf die Leinwand bannte, so absurd nahmen sich die Arbeiten im heimischen Ambiente aus, das seine Frau nach ihrem Geschmack eingerichtet hatte. Ob dies das ideale Abbild eines authentischen Museums abgegeben hätte, wurde nach dem Tod der Witwe heftig diskutiert. Aber weder die zwölf Nichten und Neffen des kinderlosen Ehepaars, noch der Staat machten Anstalten, das Erbe zu erhalten. Im Juli 1987 wurde das gesamte Ensemble versteigert - darunter 60 Gemälde, Zeichnungen und Koffer voller Briefe.

Im Auktionssaal war auch der wallonische Ministerpräsident. Für umgerechnet 300 000 Euro rettete Philippe Monfils dem Staat aber nur sechs Gemälde, zwei Skulpturen und 16 Dokumente für das nun neu eröffnete Museum. Er bezeichnete die Versteigerung damals als "kulturelle Katastrophe".

Wenn Magritte jetzt fast ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod doch noch an der Place Royale angekommen ist, scheint das historische Versagen der belgischen Kulturpolitik vergessen.

Bildunterschrift:

Das belgische Königspaar Albert II. und Paola bei der Eröffnung