Ausgabe: 07 / 2009
Seite: 118-119
Freundschaft auf Distanz
Von Petra Bosetti
VORSCHAU Retrospektive zum 100. Todestag von Fritz Overbeck und eine Schau über die Künstlerpaare Overbeck und Modersohn
Overbecks und Modersohns Overbeck-Museum/Paula-Modersohn- Becker-Museum Bremen 7.6.-20.9.2009
Gefragt, ob er nach seinem Wegzug aus Worpswede nicht die Zeit in dem Künstlerdorf vermisse, antwortete Fritz Overbeck: "Ich bin nicht sentimental." Dabei hatte Overbeck mit zu den Gründern dieser Künstlerkolonie im Norden Deutschlands gehört, in der sich ab 1894 vorwiegend jüngere Künstler zusammengeschlossen hatten. Ähnlich wie die französischen Kollegen in Barbizon hatten sie sich von der Akademiemalerei abgewandt und wollten in der freien Natur ungekünstelte Malerei pflegen.
Der 100. Todestag von Fritz Overbeck ist nun Anlass für zwei Ausstellungen: Das Overbeck-Museum im Bremer Ortsteil Vegesack feiert das Ereignis mit einer Retrospektive mit dem Titel "Ich bin nicht sentimental" (Katalog: Hatje Cantz Verlag, 29,80 Euro), bei der auch bisher kaum bekannte Studien und Leinwandgemälde Overbecks aus Privatbesitz gezeigt werden. Overbeck hatte sich vor allem den einfachen Sujets gewidmet, die ihn hier im Norden umgaben.
Das konnte ein sonnenbeschienener Weg durch die Dünen sein, tief hängende Wolken über einer Moorlandschaft, das Frühlingserwachen, symbolisiert durch helle, freundliche Birken. Als er 1905 Worpswede verließ, wurde seine Palette deutlich frischer und leuchtender, stilistisch experimentierte er mit impressionistischen Einflüssen.
Im Paula-Modersohn-Becker-Museum in der Bremer Böttcherstraße stehen zwei Künstlerpaare im Zentrum einer Ausstellung:
Fritz und Hermine Overbeck-Rothe sowie Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn.
Beide Paare waren locker befreundet, tauschten sich miteinander aus und malten in ihren Worpsweder Jahren teilweise dieselben Motive. Dennoch war ihr Verhältnis eher distanziert. "Overbecks sind beide Menschen, die es innerlich haben, aber es liegt alles so sehr hinter Schloss und Riegel", notierte Paula Modersohn in einem Brief, "und leider bin ich kein großer Stürmer ... und lasse nach dem ersten Abprall die Arme schlapp herunterhängen." Mehr Abbildungen im Internet unter www.art-magazin.de/overbeck
Bildunterschrift:
Links: "Vorfrühling am Bach" (um 1898, 59 x 46 cm) von Hermine Overbeck-Rothe, rechts:
"Birkenstamm vor Landschaft mit Moorkanal" (um 1901, 59 x 36 cm) von Otto Modersohn
Fritz Overbeck:
"Sandgrube" (1900, 57 x 88 cm)
