Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 125

Kein Himmelfahrtskommando

Von

Pläne: Wie Fleck die Bundeskunsthalle attraktiver machen will

Robert Fleck ist seit kurzem neu er Chef der zuletzt von Skandalen gebeutelten Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik. art-Autor Stefan Koldehoff sprach mit Fleck über seine Erwartungen und Pläne. art: Nach 100 Tagen zieht man Bilanz. Wie sieht Ihre für die Bundeskunsthalle aus?

Fleck: Ich hatte erwartet, mit der Größe der Institution eine Unbeweglichkeit vorzufinden. Dieses Haus ist aber nicht schwerfällig.

Die Atmosphäre ist eine ähnliche wie in den Hamburger Deichtorhallen, die ich vorher geleitet habe.

Hier geht es darum, dass alle zwei Monate die Ausstellung wechseln kann. In einem Museum dagegen werden 50 bis 70 Prozent des Personals und der Energie für die Verwaltung der eigenen Bestände aufgewendet.

Eine Ihrer Aufgaben besteht darin, Vertrauen wiederherzustellen.

Das Haus war ins Gerede gekommen, stand vor der Pleite ...

Ich hatte mich vor meiner Bewerbung bei Journalisten diskret nach dem Ruf der Bundeskunsthalle erkundigt. Die Reaktion war unisono: Da wollen Sie doch nicht hingehen? Das ist ein Himmelfahrtskommando.

Dann fand aber kurz danach ein Treffen von Museumsdirektoren im New Yorker MoMA statt, und die Reaktion dort war eine ganz andere: Die internationalen Kollegen sahen das Haus nach wie vor sehr positiv und als Ausstellungspartner.

Bei Sammlern und Künstlern war es nicht anders. Manchmal unterscheiden sich eben Wahrnehmungen. Nun gilt es, Selbstvertrauen im eigenen Haus wieder aufzubauen.

Das wird sicher nicht einfach sein, da Sie ja erheblich einsparen müssen.

Tatsächlich gibt es hohe Personalund Fremdkosten für Leistungen, die nach außen vergeben werden.

Durch Verwaltungsmaßnahmen wird es uns gelingen, mehr Ausstellungen als früher zu zeigen.

Wir möchten wieder alle Räume bespielen, um mit je vier parallelen Schauen vier verschiedene Besucherkreise zu erreichen.

Die klassischen Kunstausstellungen haben ja arg gelitten.

Es werden wieder mehr werden.

Im Oktober zeigen wir Markus Lüpertz, weitere monografische Ausstellungen folgen. Die Bundeskunsthalle ist für viele Künstler ja ein Höhepunkt ihrer Karriere.

Um das Volumen dieser Räume füllen zu können, muss man schon ein Werk vor weisen können. Das ist nichts für junge Künstler. Mit ihnen werden wir eine neue Ausstellungsreihe veranstalten.

Und wir setzen die kultur historischen Schauen fort:

2010 mit einer Napoleon-Ausstellung.

Internet: www.bundes kunsthalle.de

Bildunterschrift:

Neuer Chef der Bundeskunsthalle:

Robert Fleck