Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 123
Vereint in der Blechdose
Von
GLOSSE
Der Wettbewerb zum nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmal ist gescheitert: Martin Sonneborn, deutscher Satiriker und Bundesvorsitzender "Die Partei", Ex-Chefredakteur des Satire-Magazins "Titanic" hat sich für art in die neu entflammte Diskussion um das Monument eingeschaltet und schlägt Alternativentwürfe vor:
Kompletter Schrott" seien die "540 eingereichten Entwürfe" ("Welt Online") für das Berliner Einheits- und Freiheitsdenkmal, das auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals errichtet werden soll, ließ ein Jury-Mitglied verlauten, "verheerend und beschämend" in ihrer Naivität. Das ist schade. Keine einzige überzeugende Idee unter den "563" Einsendungen ("Spiegel Online"), alle "532" ("Die Zeit") samt und sonders nutzlos, die "525" ("Hamburger Abendblatt") komplett unbrauchbar. Wirklich jeder einzelne der "rund 500" ("Focus") beziehungsweise "rund 1000" Vorschläge (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung)? Möglicherweise waren die Anforderungen ein wenig hoch, schließlich muss das Denkmal "den inhaltlichen Maßstäben von Einheit und Freiheit so wie ästhetischen Maßstäben genügen" (Deutsche Gesellschaft e. V.).
Damit der Entwurf für das Ding doch noch pünktlich zum geschichtsträchtigen 9. November präsentiert werden kann - letztendlich das Denkmal der Deutschen Einheit also eher fertig sein dürfte als die Deutsche Einheit wirklich vollzogen -, möchte ich zwei geprüfte Ideen in die Diskussion werfen.
Das Einheitsdenkmal von Ari Plikat - zwei irritierte (Deutschländer?)
Würstchen gewaltsam vereint in einer Blechdose - könnte kostengünstig realisiert werden und würde gut zum irren Stadtschloss gegenüber passen, dessen Entwürfe auch kompletter Schrott sind. Im besten Falle würden beide Objekte vom jeweils anderen ablenken. Und wir von "Titanic" haben auch eine Vision in der Schublade: Wäre es nicht eine feine Idee, zum Andenken an die deutsche Teilung und Wiedervereinigung eine rund 1378 Kilometer lange Mauer aus Betonelementen zu errichten, mit Wachtürmen und Übergängen?
Die bestehen bleibt, bis bei Forsa-Umfragen deutlich unter 25 Prozent der befragten Bürger angeben, sich mit dem Gedanken einer erneuten Teilung anfreunden zu können? Nicht naiv genug? Gut, dann schlagen Sie etwas Besseres vor...
Bildunterschrift:
Einheitsdenkmal - nicht eingereicht von Ari Plikat
