Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 122-123

Nachfragen fällt oft schwer

Von Kito Nedo

Restitution: Endlich mehr Anträge auf Förderung

Uwe Hartmann, Leiter der seit einem Jahr existierenden "Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und -forschung" in Berlin, sprach mit art-Korrespondent Kito Nedo über Probleme und Fortschritte der Provenienzforschung in Deutschland. art: 2008 hatten sie nur neun Anträge auf Förderung von Restitutionsforschung, dieses Jahr dreimal so viel - ist das ein Erfolg?

Hartmann: Das Ergebnis ist sehr erfreulich. Es zeigt sich, dass dieses Förderinstrument zu greifen beginnt und notwendige Recherchen und Forschungen nun angegangen werden können.

Haben Sie nicht bald ein Finanzierungsproblem?

Seit 2008 werden vom Bund zur Unterstützung der Provenienzrecherche und -forschung jährlich Fördermittel in Höhe von einer Million Euro zur Verfügung gestellt.

Da wir praktisch erst in der zweiten Jahreshälfte 2008 mit der Umsetzung dieser Förderung beginnen konnten und die Mittel nicht ausgeschöpft wurden, sind wir in diesem Jahr in der glücklichen Situation, dass für Provenienzforschungsprojekte mehr als eine Million Euro bereitgestellt werden. Wenn wir den durchschnittlichen Finanzierungsbedarf der bislang eingereichten Projekte anschauen, kann ich sagen, dass sich mit Fördermitteln in diesem Umfang einiges bewegen lässt.

Was wird gefördert?

Im Museum Wiesbaden etwa sollen die Erwerbungsumstände für jene Werke, die während der Zeit des Nationalsozialismus in die Sammlung gelangt waren, untersucht werden. Diese Aufgabe erhält hier eine besondere Dimension, denn seit 1934 war Hermann Voss Direktor der dortigen Gemäldegalerie. 1943 wurde Voss zudem als Sonderbeauftragter für das "Führermuseum" Linz berufen.

Zwischen 1935 und 1944 wurden in seinem Auftrag 196 Gemälde, vier Plastiken und vier Grafiken vom Wiesbadener Museum erworben.

Warum werden Museen erst jetzt neugierig?

Die Suche nach NSRaubgut in den eigenen Beständen ist eng mit der Geschichte der jeweiligen Institution verbunden.

Dabei geht es auch immer um die Frage, auf welche Art ein Direktor oder ein Mitarbeiter während der NS-Zeit ihren Beruf ausgeübt haben. Hier kritische Bewertungen vorzunehmen, ist nicht leicht, gerade wenn es um Personen geht, die Verdienste um eine Sammlung erworben haben.

Das Interview in ganzer Länge: www.art-magazin.de/hartmann

Bildunterschrift:

Von Erben gefordert: "Republikanische Automaten" (1920) von George Grosz Arnold Schwarzenegger übergab Raubkunst an Oppenheimer-Erben Uwe Hartmann