Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 124
Cranach-Bilder als Türen benutzt
Von Susanne Altmann
Raub: Altarflügel kehren in Dorfkirche von Klieken zurück
Nach beinah 30 Jahren fand im Dorf Klieken in Sachsen-Anhalt ein Kunstkrimi sein glückliches Ende. Zwei Altarflügel von Lucas Cranach dem Älteren (1472 bis 1553) kehrten in die Pfarrkirche des Ortes zurück. Dort waren im Mai 1980 Diebe eingebrochen und hatten die beiden Tafeln vom geschnitzten Mittelteil des Altars gerissen. Die Bilder entstanden um 1515 in Cranachs Wittenberger Werkstatt. Sie zeigen Marias Geburt sowie Marias Eltern und auf den Rückseiten Mariä Verkündigung.
Obwohl DDR-Ermittler seinerzeit eine Großfahndung einleiteten, blieben die Werke lange unauffindbar. Erst im Sommer 2007 entdeckte sie ein Cranach-Experte in der Bamberger Kunsthandlung von Matthias Wenzel. Der Händler hatte sie aus dem Nachlass einer Malerwitwe erworben.
Die Dame hatte die Flügel in den neunziger Jahren ersteigert und sie ganz profan als Schranktüren verwendet. Nach langen Verhandlungen kam es 2008 zu einem Vergleich mit dem Kunsthändler. Mit Hilfe des Landes und der Kulturstiftung der Länder konnten die Tafeln zurückgekauft werden - für eine ungenannte "fünfstellige Summe. Unklar bleibt, wer die kostbaren Stücke stahl und wo sie zu DDR-Zeiten versteckt waren.
Der heutige Pfarrer von Klieken, Dankmar Pahlings, ist einfach nur glücklich: "Wir sind froh über den Rückkauf, so etwas ist ja in unserem Etat bei 600 Gemeindemitgliedern nicht vorgesehen." Doch zunächst wird der Kliekener Schatz im Halleschen Landesamt für Denkmalpflege aufbewahrt, weil die Dorfkirche bis 2011 sicherheitstechnisch aufgerüstet werden soll. Vom 14. August bis 31.
Oktober sind die Tafeln im Landesmuseum für Vorgeschichte zu sehen. Thema der Schau: Kunstdieb stähle. Internet: www.archlsa
