Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 92-93

Vorhang auf für den Fetisch!

Von Birgit Sonna

Der Kunstbau im Lenbachhaus führt die beiden Installationskünstler zusammen

MÜNCHEN: MONICA BONVICINI/TOM BURR

Sie rüttelt in der männlichen Attitüde einer Halbstarken gerne an überkommenen Geschlechterrollen.

Er gilt als Ästhetizist mit melancholischem Hang zu verwaisten Interieurs.

Ansonsten fallen die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden theatralisch mit Minimal-Art-Versatzstücken jonglierenden Künstlern kaum ins Gewicht. Monica Bonvicini und Tom Burr haben ein ausgeprägtes Faible für verführerische Oberflächen, hinter denen sich allerdings Abgründe auftun. Nachdem die Berlinerin und der New Yorker nun im Rahmen einer Münchner Ausstellung gepaart werden, könnte man meinen, dass sich die beiden schon eine kleine Ewigkeit kennen.

Weit gefehlt! Kurator Matthias Mühling brachte ein "Blind Date" im Kunstbau zustande und schickt offenbar selbst überrascht von seinem Verkuppelungserfolg voraus: "Ein Ausstellungsprojekt, welches die Arbeiten von Monica Bonvicini und Tom Burr zusammenführt, ist weniger als arrangierte Hochzeit denn als wahlverwandtschaftliches und zeitlich begrenztes Verhältnis zu verstehen." Dass sowohl Bonvicini als auch Burr gehäuft (Leder-)Fetische produzieren und mit Ironie den aalglatten Style der Neunziger repräsentieren, ist wohl der größte gemeinsame Nenner.

Brachial zertrümmertes Glas, Lederschaukeln samt Kettengerassel, käfigartige Stahlgerüste, monströse Leuchtschriften mit der Warnung "Not for you": Monica Bonvicinis Inventar lässt kaum eine materialbetont direkte Anarchoattacke auf Sehnerven und Körper aus. Von dem zwei Jahre älteren Tom Burr sind 20 Objekte zu sehen: darunter delikat verarbeitete Holzbalustraden mit wie beiläufig ab gestreiften Kleidern, mondän verspiegelte Paravents, auf geometrischem Mobiliar drapierte Vorhangstoffe. Die Arrangements erinnern nicht von ungefähr an in dunklen Bars durchfeierte Nächte und die Katerstimmung danach. Mit ihrem emotional und auch atmosphärisch aufgeladenen Minimalismus stemmen sich Bon vi cini und Burr gegen eine blutleer gewordene Konzeptkunst.

Das hedonistische München scheint das perfekte Parkett für den ersten gemeinsamen Auftritt der beiden Pop- Modernisten zu sein. Termin: 30. Mai bis 16. August. Kataloge: DuMont Buchverlag, je 15 Euro, im Buchhandel 19,95 Euro.

Internet: www.lenbachhaus.de

Bildunterschrift:

Bonvicini-Installation "Never Again" (2005) Burr-Arbeit "Folding Screen" von 2007