Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 90

Philosophie zum Anschauen

Von Gerhard Mack

Die Hamburger Kunsthalle zeigt Filme des Schweizer Bildhauers seit 1975

HAMBURG: ROMAN SIGNER

Projektionen sind sowohl die Bilder, die Vorführgeräte uns zeigen, wie diejenigen, die wir uns selbst von der Welt machen. Roman Signer nutzt beide Aspekte des Begriffs. In der Ausstellung, die unter diesem Titel erstmals rund 30 Super-8-Filme und Videos von 1975 bis 2008 versammelt, hält der 1938 in Appenzell geborene Künstler zum einen skulpturale Vorgänge fest, mit denen er Versuchsanordnungen und Gegenstände verändert. Zum anderen schafft er existenzielle Bilder, die dem Betrachter wie ein Menetekel nicht mehr aus dem Kopf wollen, etwa der Helikopter bei der Biennale in Venedig, der in einer Holzkiste wie ein Insekt zu verenden schien.

Während man den bald dramatischen, bald heiter-melancholischen Ereignissen zusieht, werden verschiedene Formen des Vergehens von Zeit erfahrbar.

Wir beobachten den Wettlauf eines Kajaks auf einer Straße und Kühe auf einer Wiese und sehen, wie zwei Fässer sich in einem Wasserstrudel drehen. In dem Sog drohen wir zu versinken. Das ist , leichthändig und unentrinnbar. Termin: 5. Juni bis 6. September.

Werkverzeichnis: Verlag Scheidegger & Spiess, 65 Euro. Internet: www.hamburger-kunsthalle.de

Bildunterschrift:

"Rampe", Installation von 2008