Ausgabe: 06 / 2009

Ohne Einschränkungen

Art Basel: Rekordbewerbungen und große Oper - zum 40. Geburtstag der Messe will niemand den Gürtel enger schnallen

GERHARD MACK

Wir müssen keine Einschränkungen vornehmen", sagt Marc Spiegler. Die Art Basel, die er seit 2008 zusammen mit Annette Schönholzer leitet, ist für ihren 40. Geburtstag bestens gerüstet.

Die UBS unterstützt die Messe weiterhin als Hauptsponsor. Das mittlerweile 16-jährige Engagement der Schweizer Großbank, die ihre Kunstberatungsabteilung krisenbedingt gerade geschlossen hat (siehe Kasten), wur de letztes Jahr für die Art Basel und die Art Basel Miami Beach bis 2011 verlängert.

Cartier, Net Jets und die Axa-Art-Versicherungen wollen als Associate Sponsors ebenfalls weiterhin vom Image der weltweit wichtigsten Messe für zeitgenössische und moderne Kunst profitieren.

Mit Vitra sowie den beiden Versicherungen Baloise und Zürich stehen weitere Förderer zu Diensten.

So opulent abgesichert gönnt sich die 40. Art Basel ein besonderes Geburtstagsgeschenk. Statt einer üppigen Party ist das Zeit- Kunstwerk "Il Tempo del Postino" an drei Abenden im Theater Basel zu sehen. Die Kuratoren Hans Ulrich Obrist, Philippe Parreno, Anri Sala und Rirkrit Tiravanija luden Künstler von Doug Aitken bis Pierre Huyghe ein, Bühnenbeiträge von bis zu 15 Minuten Dauer zu schaffen, die sie zu einer Gesamtkomposition verwoben.

Seine Weltpremiere hatte das Werk 2007 beim Manchester International Festival. Damals wurde es nur von wenigen gesehen, jetzt hat die Art Basel alle Künstler eingeladen, eine aktualisierte Fassung zu erstellen. "Dieses Angebot an das Publikum ist unsere Antwort auf die Krise", sagt Spiegler.

Aber auch von Seiten der Galerien verzeichnet die Messe fast keine Anpassungen. Die 300 Aussteller wurden aus einer Rekordzahl von über 1100 Bewerbern aus gewählt.

Fast alle Messeteilnehmer vom letzten Jahr bewarben sich erneut. Zwei der insgesamt drei Ab sagen kommen von Galerien, die schließen mussten. Verkleinerungen der Stände gab es keine, obwohl die Messe ihre Gebühren nicht reduzierte. Die 19 Galerien, die für den Sektor Art Premiere Projekte kuratieren, konnte die Messe ebenfalls aus noch nie dagewesenen 200 Bewerbungen aussuchen.

"Die Händler fühlen sich und ihre Künstler in Basel immer noch am besten präsentiert, auch wenn sie sonst an vielem sparen müssen", erklärt sich Spiegler die Standfestigkeit.

Als Vertrauenstest darf die Art Unlimited mit ihren großformatigen Werken gelten. Hier wählte der Galerienbeirat wie gewohnt 60 Projekte, die jeden Eindruck von Sparzwang vermeiden. Der aufwändige "Torre de Málaga"aus Abfallholz, den Yoshitomo Nara 2007 für eine Ausstellung in Spanien gebaut hat, dürfte darunter wohl ebenso zu den Highlights zählen wie die fünfteilige Rauminstallation "Universe" aus Skulpturen und Holzreliefs, die Stephan Balkenhol 2008 in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt hat.

Bei so viel Krisenresistenz möchten auch die Baloise-Versicherungen nicht zurückstehen. Sie erhöhen den Preis für zwei der 27 Art Statements für junge Kunst um je 5000 auf 30 000 Franken (20 000 Euro). GERHARD MACK Katalog: Hatje Cantz Verlag, 45 Euro

Bildunterschrift:

Glänzende Aussichten: Die Art Basel gönnt sich auch in Zeiten der Krise große

Auftritte wie die Installation von Jesús Rafael Soto in der Art Unlimited 2008 oder die Künstler-Oper "Il Tempo del Postino", hier eine Sequenz von Anri Sala

Annette Schönholzer, Marc Spiegler

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