Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 128

"Die kosmische Basis"

Von Kerstin Schweighfer

Eröffnung: Bisher größte Eremitage-Filiale in Amsterdam

Mit einer "Weißen Nacht" wird in Amsterdam am 20. Juni die Eremitage Amsterdam eröffnet.

Sie befindet sich im Amstelhof, einem Gebäudekomplex aus dem 17. Jahrhundert, der für 40 Millionen Euro saniert wurde. Auf 2000 Quadratmetern wird Kunst aus St. Petersburg gezeigt, darüber hinaus gibt es Shops, ein Studienzentrum sowie eine Kids-Eremitage.

Nach London, Las Vegas und Ferrara hat das St. Petersburger Institut eine weitere Filiale bekommen. Mit Eremitage-Direktor Michail Piotrowski sprach art-Korrespondentin Kerstin Schweighöfer:

Sind Sie in ihrem Expansionsdrang noch zu stoppen?

Dieses Wort mag ich nicht, das klingt nach kultureller Aggression, es geht darum, unsere Zugänglichkeit zu erweitern:

Wir müssen zeigen können, was wir haben.

Das gelingt Instituten mit großen Kollektionen wie der unsrigen nur durch das Aufbauen verschiedener Zentren. Auf diese Weise konnten wir in den letzten zehn Jahren weltweit Kunst zu den Menschen bringen - und umgekehrt kamen auch Menschen zu uns nach St. Petersburg. Wobei die Eremitage in Amsterdam größer ist als alle anderen ausländischen Zentren: Amsterdam ist eine Art kosmische Basis, eine Raumstation, verglichen damit sind Las Vegas und London Sputniks.

Diese Sputniks haben aber auch Probleme beschert.

Von Problemen kann kein Rede sein! Nicht umsonst sprechen wir von Sputniks: Wenn die ihre Schuldigkeit getan haben, werden sie ausgetauscht oder auf eine andere Umlaufbahn geschickt. Das geschieht jetzt in Las Vegas: Der Sputnik dort hat gute Arbeit geleistet, in dieser Spielstadt ohne Kulturpublikum haben wir die Menschen doch dazu gebracht, sich auch Kunst anzuschauen.

Wir haben dieses heidnische Gebiet wie die Missioniare christianisiert - jetzt ziehen wir weiter.

Es laufen bereits Verhandlungen mit Singapur.

Was passiert nun mit dem Sputnik in London?

Dort ändern wir den Inhalt. Bislang haben wir uns auf schöne Ausstellungen konzentriert. Doch nach sieben Jahren des Gebenswollen wir auch etwas nehmen:

Ein Museum hat auch die Aufgabe, Forschung zu betreiben, und das wollen wir jetzt in London tun. Wir sind jetzt am Fundraising.

Bis 2021 wollen wir eine Fotografie-Sammlung aufbauen.

Die kosmische Basis in Amsterdam will sich als wissenschaftliches Kulturinstitut profilieren, mit der Kinder-Eremitage bis zu 20 000 Kinder jährlich anlocken, und große Ausstellungen organisieren.

Allein für die Eröffnungsschau über die Pracht des russischen Hofes im 19. Jahrhundert wird mit 200 000 Besuchern gerechnet.

Ich hoffe, dass neben der niederländischen Königsfamilie auch der gesamte europäische Adel nach Amsterdam kommt. Mit 1800 Objekten geht es um eine der größten Schauen, die je in den Niederlanden organisiert wurden.

Der Standort Amsterdam ist ja kein Zufall.

Peter der Große hat sich hier aufgehalten, um St. Petersburg nach dem Vorbild von Amsterdam zu bauen. Beide Städte werden auch "Venedig des Nordens" genannt.

Ein starkes historisches und spiritueles Band verbindet uns.

Bildunterschrift:

Die neue Amsterdamer Eremitage-Filiale im sanierten Amstelhof