Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 129
In den Grabkammern des Pharao
Von Birgit Sonna
Ausstellung: Tutanchamun-Schau überzeugt mit guten Kopien
Nur notdürftig beleuchtet ist das Schatzlager und angefüllt mit scheinbar kostbaren altägyptischen Raritäten: Reich verzierte Betten in Tiergestalt, ein goldener Kinderthron, viele aufeinander getürmte eiförmige Kapseln als Behältnisse für Lebensmittel und Kosmetika. Dicht an dicht gedrängt sind die Grabbeigaben, die Pharao Tutanchamun auf seiner Reise durch das Totenreich dienlich sein sollten. Einen nahezu identischen Eindruck muss der britische Forscher Howard Carter gehabt haben, als er 1922 die Grabkammern des 1323 vor Christus gestorbenen Pharaos im Tal der Könige entdeckte. "Ich sehe wunderbare Dinge", soll der Archäologe gerufen haben. In der Ausstellung "Tutanchamun", die jetzt im Münchner Olympiapark gastiert und ab Oktober in Hamburg Station macht, sind die drei Grabkammern des berühmten Herrschers zu sehen, aber keine Originale sondern Repliken. Denn viele der monumentalen Grabschätze haben und werden Ägypten nie verlassen.
In der von einem Privatunternehmer organisierten Ausstellung paart sich ein von der Pharao- Mystikgespeister Sensationshunger mit populärwissenschaftlicher Aufklärung. Und doch überwiegt am Ende der Respekt vor den bis ins Detail präzisen Imitationen.
Rund 1000 Grabfundstücke wurden in Werkstätten in Kairo nachgeformt.
Martin von Falck, seines Zeichens Ägyptologe, wurde früh hinzugezogen, um die authentische Wirkung des Ganzen zu kontrollieren.
Der Wissenschaftler musste einige Repliken zurückweisen, weil ihre Größe nicht korrekt war. Bei den Reliefs stieß er hin und wieder auf Fehler im Schriftsystem der Hieroglyphen.
Die Gussformen für die farbig gefassten Gipssarkophage wurden nach Zeichnungen und Fotografien angefertigt. Verschiedenste Techniken kamen für das Finish zum Einsatz, angefangen von der Handbemalung bis zur Vergoldung im Bad - alles für "Tutanchamun".
Termin: bis 30 August, Event-Arena; 1. Oktober bis 31. Januar 2010, Alte Postdirektion, Hamburg. lnternet: www.tut-ausstellung.com
Bildunterschrift:
Präzise nachgebaut: Blick in eine Vorkammer des Grabes von Tutanchamun, die jetzt in München zu sehen sind
