Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 130
Plötzlicher Einblick
Von
Sigmar Polke: Malprozess in Fotografien dokumentiert
Seit kurzem gehen manche Verlage wieder häufiger dazu über, Vorzugsausgaben ihrer Titel mit beigelegten Grafiken oder Fotografien anzubieten, der Verlag der Buchhandlung Walther König pflegt dagegen wie kein zweiter eine andere Tradition.
Dort entstehen immer wieder herausragende Künstlerbücher wie unlängst Peter Pillers "Archiv Zeitung" oder Gerhard Richters "Wald", die Bild und Text von Anfang an als ästhetische Einheit begreifen. Diese Bücher bilden keine Kunstwerke ab, sie sind selber welche.
Nun ist im selben Verlag erneut ein Band erschienen, der schon bald ein gesuchtes Sammlerobjekt sein wird. Sigmar Polke fotografierte 187 mal jene jeweils fast 15 Quadratmeter großen Bil der mit dem Titel "Achsenzeit", die vor zwei Jahren für viele der Höhepunkt in Robert Storrs "Padiglione Italiana" auf der Biennale von Venedig waren. Vom ersten Aufbringen kostbarer Pigmente und anderer chemischer Substanzen auf den transparenten Malgrund bis zum Trocknen der sieben riesigen flachliegen den Bilder dokumentiert Polke den Entstehungsprozess.
Der Künstler, der keine Briefe und keine An rufe beantwortet und oft nicht einmal seine Galeristen in sein Atelier lässt, scheint auf einmal freiwillig Einblick in seine alchemistische Arbeitspraxis zu gewähren. Tatsächlich geben jedoch auch die seitenfüllenden Detailaufnahmen nichts preis von jenem Geheimnis der Kunst, das sich nicht fotografieren lässt. Ohne jeden Text aneinandergefügt, nur am Ende mit einem Essay von Chrissie Iles versehen, ergeben sie statt dessen ein ganz neues eigenes Werk - wie es sich für ein gutes Künstlerbuch gehört. S. K.
Sigmar Polke: Achsenzeit. Verlag der Buchhandlung Walther König. 248 S., 187 Abb., 148 Euro
Bildunterschrift:
Buchkunst:
Sigmar Polke hat die Entstehung seines Gemäldezyklus "Achsenzeit" fotografisch dokumentiert
