Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 130
Van Gogh vor Zeugen
Von
Eine Künstler-Biografie in Erlebnisberichten
Vincent van Gogh ist tot und soeben in Auvers beerdigt.
Nobel erlaubt sein Bruder Theo den wenigen Trauergästen, sich unter Vincents letzten Bildern ein "Andenken" auszusuchen. Gierig greift da der Arzt Paul-Ferdinand Gachet nach "zahlreichen" Leinwänden. "Roll das zu sammen, mein Kleiner", befiehlt er seinem mitgebrachten Sohn. Eine makabre Szene.
Ob es tatsächlich so war, wie es die Tochter von Vincents letztem Zimmervermieter Jahre danach kundtat, hatte Herausgeber Malte Lohmann nicht zu untersuchen.
Immerhin ist sie dabei gewesen und kannte van Gogh.
Auch die übrigen 73 Berichte, die der Berliner Kunsthistoriker in einem reich bebilderten und gut kommentierten Quellen band kompiliert, stammen von Weggefährten des Künstlers.
Etliche wurden auf Deutsch nie gedruckt. Andere, wie die Texte des Malers Émile Bernard, offenbaren hier in voller Länge ihre faszinieren den Details. Den Besuchern der bis 27. September im Baseler Kunst museum laufenden Ausstellung der Van-Gogh-Landschaften seien sie ans Herz gelegt.
A. N.
Malte Lohmann (Hrsg.): Erinnerungen an Vincent van Gogh. Dokumente und Lebenszeugnisse. Nimbus Verlag. 320 S.,126 Abb., 22.80 Euro
Bildunterschrift:
Van Gogh: "Selbstbildnis mit verbundenem Ohr" (1889)
