Ausgabe: 06 / 2009
Seite: 6

Unheimlich asexuell?

Von

"Auf den Kopf gestellt" - Birgit Sonna über fünf junge Bildhauerinnen (5/2009)

Begrüßenswert die Porträts starker Künstlerinnen, die sich selbstbewusst in der Kunstwelt behaupten. Widersprüchlich:

Künstlerische Motive sind für die Macherinnen erklärtermaßen keine "Geschlechterfragen", dennoch begrüßt es die Autorin, dass Bildhauerinnen keine feministischen Losungen von sich geben.

Deren Arbeit soll vielmehr in eine woher auch immer rührende Tradition weiblicher Bildhauerei gestellt werden, die sich unbedingt von "Frauenkunst" abheben muss.

Die Bildhauerinnen selbst sehen sich als Individuen, reflektieren ihre Wurzeln und trauen sich zu, in der Kunstszene bestehende Machtstrukturen auszuhebeln.

Frauen im Allgemeinen wie Künstlerinnen im Besonderen ist heute Emanzipation unterstellt. Die Maßstäbe scheinen männliche geblieben, wenn gute weibliche Bildhauerei "ohne Weiteres Männern in die Schuhe geschoben werden kann".

Das Private ist gegenwärtig nicht mehr das Politische; künstlerisches Schaffen und Anerkennung gelten Frauen als Ergebnis ihres persönlichen Könnens, ihrer "unheimlichen Energie". Dabei übersehen wir, dass diese Energie auch den lautstarken Parolen der Generation unserer Mütter zu danken ist.

Hella Rößiger, Frauenbibliothek/Genderbibliothek Leipzig

Bildunterschrift:

Stella Hamberg: Ist Skulptur weiblich?

Titelthema der Mai-Ausgabe war das neue Museum Brandhorst in München